Brief

Von Johann Friedrich Reichardt (7. April 1795)

R. habe oft an G. schreiben wollen. Es sei ihm jedoch immer unmöglicher gewesen, von der elenden Sache (seine Entlassung als Kapellmeister in Berlin) zu schreiben. Freunde in Berlin und Dessau hätten ihm versprochen, G. die bedeutensten Briefe und kleine Schriften die durch jenen Vorfall veranlaßt wurden zuzuschicken. - R. werde künftig in der Nähe von und in Hamburg selbst wohnen. Er habe sich ganz in die französische Sache geworfen und, seinen Reichthum von Materialien und Verbindungen nutzend, begonnen, ein Journal herauszugeben. G. möge das beigefügte erste Stück freundlich aufnehmen ("Frankreich im Jahre 1795", Ruppert 3431). Ein Exemplar lege R. für Herzog Karl August bei, dem er vorschlagen wolle, ihn zu seinem hiesigen Correspondenten oder Commissionar zu bestellen. - Für G.s Besuch, zu dem F. H. Jacobi uns die Hofnung gegeben und kürzlich wieder genommen habe, empfiehlt R. die Monate ab Juni. - J. F. G. Unger habe ihn mit dem dritten Buche von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" hoch beglückt und die Bogen des 4. Buchs angekündigt. R. wünsche durch seine Liedermelodien G. einige angenehme Minuten zu gewähren; Hinweis auf "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn [...]". - Ist es gegründet, daß Sie ganz nach Jena ziehen? - J. H. Meyers "Apollo" liege noch in Giebichenstein und werde R. nachgeschickt. R.s Schwägerin A. Alberti in Dresden sei, Meyers Rat eingedenk, sehr fleißig.

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