Brief
Von Johann Heinrich Meyer (24. bis 25. Juni 1796)
M. sei es wohl zufrieden, daß er nach Florenz gegangen sei. Auf seiner Reise seien ihm in Siena eine antike Marmorgruppe der drei Grazien, Miniaturen in einem Chorbuch aus den Zeiten vor Raffael, das Gemälde "Beschneidung" von G. Reni und fünf Bilder in Buonconvento, die er Giotto zuschreibe, aufgefallen. Kritische Einschätzung der Werke "Perseus" und "Ganymed" von B. Cellini in Florenz, die zu den Manierten Stücken gehörten, M. aber besser gefielen als Arbeiten von B. Bandinelli und B. Ammanati. Bewunderung für die alten Florentiner Fiesole, L. Ghiberti, Masaccio, Fra Filippo Lippi und Domenico del Ghirlandaio, insbesondere für eine Silbertafel (Paliotto) im Battisterio von San Giovanni (vgl. RA 2, Nr. 335) von Ghiberti (und anderen). - Über das Vorrücken der Franzosen in Oberitalien; Bologna sei schon zur Republik erklärt. Die Franzosen seien durch die Revolutzion um vieles leidlicher geworden [...]: Schlichte ungepuderte leute die bescheidener und verständiger sprechen und mäßiger als Ihre ehemahligen Landsleute. Anfrage, was M. nun tun solle und ob G. noch nach Italien kommen werde. Bitte um G.s Rat über die Verwendung eines von Bertuch angewiesenen Wechsels nach Neapel (vgl. RA 2, Nr. 209) und Angabe seiner Adresse in Florenz.
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