Normalzeugnis Zeugnis
G. Geßner, Tagebuch 22. 10. 1797 (Neujahrsblatt Zürich 1905, S. 14)
Ich ging in den Schönenhof, in der sonderbaren Erwartung, da vielleicht Goethe zu sehen. Er kam. Stirne und Augen Mose’s, lauter Geist und Feuer – im Munde etwas Verzogenes, woran er selbst muß schuld sein. Wir sprachen von Fichtianismus – seiner Unheilbarkeit – von Niethammer, der ein sehr moralischer Mensch sein soll. Dann von den Franken, er urteilte äußerst vernünftig über den Extremzustand ihres Geistes, wo alle Moral beseitigt wird. Er erzählte von seinem mitgemachten Feldzug – äußerst feine psychologische Bemerkungen. Der Krieg zeigt die Menschen in der rohen Stärke aller Leidenschaften. Viel Edukation – Gehorsam – Menschenverschiedenheit. Ich begleitete ihn noch zum Schwert.
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