Normalzeugnis Zeugnis

F. Thole, Goethe in Ebenhausen (Archiv f. Postgesch. i. Bayern, Juli 1961, S. 37)

Aus den Aufzeichnungen des Posthalters Egidius Multerer (früher Postillion zwischen München und Garmisch) vom 7. September 1786: „Ist mir am 6. September im Jahre des Herrn 1786 durch den Bostschwager Maisimmerl der Ordinaripost, vermeldet worden, daß am morgigen Tag ein hoher Herr Geheimber Rath, mit Nahmens Goethingen oder so, mit seiner Extrabostkutschen bei meiniger Bosthalterei Roßwechsel wird machen. Seien die besten Roß einzuspannen, wo ordentlich gefuttert, tränkt und butzet, daß kein Anstand kommet. Sintemalen hoher Herr von höchster Stell rekommandieret und sehr empfohlen! Ausgespannte Bostgaul von Extrabost, wo naß geschwitzet, trockenreim, futtern und tränken, alsdann ausgeruhet zuruck nach hiesiger Residenzstatt. Hohem Herrn Rath Goethingen sind große Reverenz zu machen und so derselbig Wünsche habet, solchene gleich und freundlings zu besorgen. Solches lieget in höchester Interesse und auszuführen ohn Murrn und Unfreundlichkeit, welches baierische Art und Weis, aber bei Extrabost nicht geduldet und streng gerüget. Auch Dienstleut, Knecht und Mägd anweisen, damit nicht Beschwerden wegen roher Art und Weis, wie leider öfters bemerket! 7. September abens. Ist ein schwerer Tag gwest. Item hoher Herr Rath, zwangsweise einigen Aufenthalt anhier hat nehmen müssen und großer Unmut ihn wegen selbigen überkommen. An seinem hinteren Rahd der Extrabostkutschen ist ein Schad gewesen und hat der Klosterschmiede-Martl selbigen beheben missen, wo dauert hat und hoher Herr voller Ungunst war und ziemlich geschimpfet. Unsrigen Knecht Simmerl vermahnet, weil er hohen Herrn Goethingen ganz habscheuliches ihm zu thun hab geheißen. Hoher Herr aber es, Gott sei gedanket, nicht verstanden und dadurch weideres nicht geschehen. Ist dann der Herr Goethingen umeinander gegangen und hat den Bostschwager gefraget. Der ist zu mir und hat gesaget, der hohe Herr misse hinaustreten und wo das Häusl sei. Habe die Stalldirn Leni gleich zu selbigen Häusl geschicket, mit Lumpen nachschaugn ob Saubrigkeit dortselben und abbutzen. Auch frischen Strohschiebel hinlegen für Herrn Rath zur Verwendung. Aber er hat nicht mögen, weil selbiges Häusl auf dem Mist stehe und scharf riechet. Auch arge Bemängelung, weil das Häusl kein Türl und ohne Ruckwand, wo man alles siehet. Ist lieber hinter Haselnußstauden, wo aber Brennesseln seien und er lang herumadum gedabet, item es ihm bei den Stachelbeeren auch nicht getauget. War arg schlecht gelaunigt. Als die Achs fertig war, eingestiegen und nicht gedanket auf underdänigste Reverenz und Gruß. Ist ein schwer Amt mit hohigen Herren und schlecht Kersch essen damit. Werd aber auf seiniger Reis ins Welschland der hohe Herr noch ganz andere Häusl treffen wie unsriges in Ebenhausen, wo auf dem Mist stehet.“ Obriges Schreiben aufgefunden und zur Kenntnis gebracht von Sepp Mauder.

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Geschaffen von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen