Brief
Von August Prinz von Sachsen-Gotha und Altenburg (8. August 1786)
Dank für G.s vor dessen Abreise nach Karlsbad (am 25. Juli) geschriebenen Brief, auf den S. schon vor einigen Tagen habe antworten wollen. Die kurzzeitige Erkrankung seiner Schwägerin (Herzogin Charlotte von Sachsen-Gotha) habe dies jedoch verzögert; auch habe S. zunächst einen Brief an Herder fertiggestellt. Wie G. wisse, sei S. mit Herzog Karl August von Sachsen-Weimar für zwei Tage in Eisenach bei Herzog Ludwig Ernst zu Braunschweig gewesen. Einer seiner Begleiter habe ihm einige Tage darauf von einer Unterredung berichtet, die ein ihm unbekannter Doctor in Eisenach (? A. C. Kühn) mit J. K. Lavater geführt haben solle. S. habe daraufhin seinem Zuckerbäcker (? J. G.) Kurtz, dessen Vater viele Jahre Gouverneur der Wartburg und dort Vorgänger von J. A. Focke gewesen sei, beauftragt, sich schriftlich in Eisenach nach dem Inhalt der Unterredung und nach dem Namen des Doktors zu erkundigen. Letzterer habe nun eigenhändig geantwortet, wovon S. eine Abschrift übersende. S., dem seine Amme (D. M. Hofmann) viel von dem Socratischen vorgesungen habe, habe nun einen Beweis des Daseyns guter Geister. G. möge ihn sorgfältig aufbewahren, um die Ungläubigen zu bekehren, denn S. wisse, daß G. ausserordentliche Gaben hierzu besitze, wovon Ihr Doctor Faust schon hinlängliche Proben abgelegt habe. Mit einem heimlichen Wink habe Prinz Eugen von Württemberg kürzlich E. von der Recke in der "Berlinischen Monatsschrift" (1786, 7. Stück "Über Elisens Aufsatz") darauf verwiesen; es sei außer Zweifel, daß er sich durch seinen Aufsatz unsterblichen Ruhm erwerben werde. Alles nichts ohn' Eins, der Wahlspruch des Zürchischen Propheten (Lavater), bedeute nichts anderes als: Alles nichts ohne einen guten Genius. Wie sein (Hund) Trubatsch habe auch S. einen solchen; dies sei seine derzeitige Lage, die er nicht gegen die des Archidemides ab Aquila Fulva (Anspielung auf J. A. Starcks Beinamen Archimedes ab Aquila Fulva und das Bekanntwerden seines heimlichen Übertritts zum Katholizismus) tauschen wolle. Ungeachtet dieser Mängel möge G. ihn immer ein wenig lieb behalten. Empfehlung an Herzog Karl August und an Herder, dessen Frau und dessen kleinen Gaukler (? Emil).
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- Braunschweig, Ludwig Ernst Herzog zu (Braunschweig-Lüneburg, Braunschweig-Wolfenbüttel)
- Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach
- Charlotte Amalie, Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzogin
- Flachsland, Caroline
- Focke, Johann Anton
- Herder, Emil Ernst Gottfried von
- Hofmann, Dorothea Maria
- Johann Gottfried Herder
- Kühn, August Christian
- Kurtz, Johann Christoph
- Kurtz, Johann Gottfried
- Lavater, Johann Caspar
- Recke, Charlotte Elisabeth (Elisa) Konstantia von der geb. Gräfin von Medem
- Sokrates
- Starck, Johann August (von)
- Württemberg, Eugen Friedrich Heinrich Herzog von
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