Normalzeugnis Zeugnis

F. H. Jacobi an Wieland 15. 10. 1774 (Roth 1, 185)

Die Aufforderung oder der Zuruf, man müsse den wankenden Götzen Wieland vollends niederreißen, ist mir nicht durch Göthen zu Ohren gekommen; dieser spottete nur, ohne jene lächerliche Rede anzuführen, der Schurken und Narren, welche sich in den Kopf gesetzt hatten, er wolle und müsse an Wieland zum Ritter werden ... Ich müßte zu weitläufig werden ... wenn ich Ihnen noch erklären wollte, in welchem Sinne, nach welcher Vermischung und Charakter und Genie man Sie beschuldigt, Sie seyen auf einmal vom Kinde zum Greis geworden. Daß Sie bereits zu sehr empfinden, quantum est in rebus inane, gehört mit dazu. Auch Göthe jammerte hierüber bei Gelegenheit, daß er mit Bewunderung und Entzücken von Ihrem Gedicht an Psyche sprach. Wielands Weisheit, sagte er, konnt’s doch nicht unerörtert lassen, daß die Wonne des Mädchens frühzeitig ein Ende nehmen würde; da macht er ihm einen herrlichen Nektarbecher zurecht, gießt aber beim Hinreichen einen vollen Löffel Rhabarber-Tinctur darunter, und rührt’s brav durch, daß das arme Ding nun den ganzen Soff nicht mag.

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