Normalzeugnis Zeugnis
F. W. H. v. Trebra (GJb 9, 11)
Es war eine gar froh gestimmte, lustige Gesellschaft, welche sich in den Sommermonathen des Jahres 1776. am Fuße der Sturmhayde zu Illmenau versammlet hatte...
Ich war nur seit wenigen Tagen erst, in diesen lebenvollen Zirkel eingetreten, angeschwommen aus einer Region her, wo naher und ferner Dienstverhältniße wegen, das Benehmen geräuschloß, sehr klüglich still, und forschend aus andern eingerichtet seyn mußte, alle frohe Herzensergießung zurückpreßend – hier war alles erlaubt. Unbewacht ausgelaßen zu seyn, war hier, wo nicht gefordert, doch nicht ungern gesehen, wohl gar gewünscht. So hatte auch ich, nach vorleuchtenden hohen Beyspiel, bald die Überzeugung erlangt, obwohl auch bis hierher, Behutsamkeit gebietende Dienstverhältniße mich begleitet hatten, denn daß alle übrige, hoher Adel, und niederer, und Bürger es glaubten, bewiesen allesammt mit Händen und Beinen, im Gebrauch gegen sich unter einander, und gegen die Höhern. Nicht das, – flüsterte der Ernstere Goethe von ihnen mir zu, den ich schon vom ersten Moment der Bekanntschaft an im Auge behielt – nur von ihren Leibern haltet euch fern, und duldet lieber, was sie körperlich euch zufügen, wenn sie sich zur handfälligen Lustigkeit herablaßen.
Noch manche andere solche tief liegende Wahrheiten hatte ich ihm schon abgehorcht, wo Großes im Wirken, auf Bemerkungen im Kleinen lag – Ich will mir auch gleich die Seitenhaare am Kopfe ganz wegschneiden – war einmal der Einfall des höhern Frohsinns – Das kann man bald machen, war die Entgegnung des kalten Ernstern darauf, nicht so sie wieder wachsen machen.
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