Normalzeugnis Zeugnis

P. Götze an Goethe 24. 1. 1822 (WA I 33, 366)

Nach mehr tägigen Aufenthalt in Koblenz, wurde eines Tages nach Tische noch beschlossen; die Reise auf den Rhein nach Düsseldorf anzutreten, und hierzu abermals ein Einmänniges Fahrzeuch gemiethet. Bei unserer Ankunft an dasselbe, wurden schon starke Nässigkeiten, in selbigen wahrgenommen, die aber nach der Versicherung des Schiffers, nichts zu bedeuten hätten. Auch noch ein unbekannter Reisegefährte welcher vorgab; dass er nur ein Stück mit fahre, und den Schiffer Rudern helfen wolle, wurde mit eingenommen. Diese Farth ging anfangs sehr gut, aber bald wurden wir gewahr, dass das alte Fahrzeuch so leck, dass wir wenigstens alle Viertelstunden schöpfen mussten, wenn wir nicht sincken wollten. Eine Sternhelle Nacht, doch sehr kalt, begünstigte unsere Farth, bis dahin wo der fremde Ruderer verlangte ans Land gesezt zu werden; und anfing sich mit unserm Schiffer um den Weg zu streiten, welchen jeder besser wissen wollte, und unser Fuhrmann über diesem Streit, im Rhein stürzte, und mit Mühe wieder heraus gezogen werden konnte. Da die Nacht sehr hell und kalt war; so konnte es unser Fuhrmann für Frost nicht mehr aushalten, und bat dringend, dass wir an Bonn anfahren möchten, dass er sich nur etwas trocknen und wärmen könne. Ich machte Gebrauch von der nächtlichen Land-Parthie. Sie aber bestanden darauf im Kahn zu bleiben, und etwas zu Schlafen. Das Fahrzeuch wurde zwar so hoch als möglich ans Land gezogen, und Ihr Lager auf Mantelsack und Portefeille bereitet. Da wir uns in der warmen Schiffer Kneipe, bei einem guten Klüwein ganz behaglich fanden; so hatten wir uns etwas länger getrocknet und – genässt, als wir gesollt hätten, und das Lecke Schiff vergessen. Da wir eben auf den Weg zur Abreise begriffen kamen Sie ganz durchnässt, aus Ihren schlafenden Rheinbad uns zu suchen, und sich auch zu trocknen. Das Schiff hatte während Ihrem Schlaf, da niemand geschöpft hatte, so viel Wasser zu sich genommen, dass Sie, Mantelsack und Portefeille ganz durchnässt waren, und Sie um trocken zu werden Kleider in der Kneipe borgen mussten, um die Ihrigen trocknen zu lassen. Die Fahrt nach Düsseldorf hat weiter nichts merkwürdiges, als dass wir erst Abend spät daselbst ankamen.

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