Brief
Von Karl Ludwig von Woltmann (21. Mai 1816)
G.s Brief sei W. ein erfreulicher Sonnenblick in der Zeit seiner Gichtlähmung gewesen. Bange Freude, G. nicht zu sehen, falls dieser im bevorstehenden Sommer nach Böhmen kommen wolle, da W. seine Abberufung nach Wien erwarte. G.s Reisebemerkungen ("Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden") erwarte W. täglich. Auch sehe er den für den 2. Band der Wiener Ausgabe von G.s Werken ("Werke" Ba, bei Kaulfuß & Armbruster) angekündigten unbekannten Mittheilungen mit Freude entgegen (? G.s, nicht in "Werke" B aufgenommenes Epigramm "Sind Könige je zusammen gekommen ..."; vgl. WA 5. 2, 396). Leider sei noch nicht einmal der 1. Band erschienen. - Erinnerung an die versprochenen Paralipomena. W. befürworte das Zurückhalten von Schriften, auch er verfahre so; erwähnt: Tacitus. - Erörterung der Wirkung von G.s Werken, die nach dem "Werther" G. nur einzelne Verehrer gebracht hätten, welche sich zu Gemeinden versammeln müßten. Dagegen könnten andere ehrenwerthe [...] Geister, wie z. B. Schiller, ganze Landstriche von Seelen die ihrigen nennen. Vergleich der literarischen Wirkung in Deutschland und Österreich. - Den 3. Band von W.s "Memoiren des Freiherrn von S-a" (Ruppert 1212) werde G. durch die (? J. B. G.) Fleischersche Handlung in Leipzig (vgl. RA 6, Nr. 1511) erhalten haben. Freude über G.s Äußerungen und die Jenaer Rezension (von J. A. Bergk, in: JALZ 1816, Nr. 33) über W.s "Inbegriff der Geschichte Böhmens" (Ruppert 3423). Der letzte (6.) Band von W.s "Tacitus" (Ruppert 1440) werde jetzt gedruckt.
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