Normalzeugnis Zeugnis
Bertuch an G. J. Göschen 5. 6. 1786 (QuZ 1, 4)
Ich erfuhr von Himburg in der Meße, daß er eine neue Auflage von Göthens Schriften vorhabe, machte ihm die Hölle darüber ein bißgen heiß, so daß er mir sagte er wolle an Göthe schreiben, und ihn nun um den rechtmäßigen Verlag seiner Wercke bitten. Ich kam zurück, erzählte dieß Göthe, der, wie ich wußte, schon seit etlichen Jahren an der ersten eigenhändigen Ausgabe seiner Wercke arbeitet, und dazu noch wenigstens 3 Bände ungedruckte liegen hat; und er ärgerte sich so darüber, daß er schwur, Himburg solle sie nicht haben, und er wolle seine Ausgabe jezt ohne Zeitverlust veranstalten. Kurz das Resultat unsers Gesprächs war, daß er mir die Herausgabe seiner Wercke, und die ganze Besorgung des Verlags davon übertrug. Also ... habe ich jezt ein wichtiges Kleinod für einen Buchhändler in den Händen. Daß ich es keinem andern vor der Hand als Ihnen zugedacht habe, können Sie von meiner Freundschaft erwarten. Nun ist vor allen Dingen nöthig daß Sie zwischen dem 11 und 20ten dieses hieherkommen, daß wir über dieß Geschäft sprechen, contrahiren und abschließen können. Den 23n geht Göthe ins Carlsbad, und dann kämen Sie zu spät. Er ist ein eigensinniger Sterblicher, den man bey der guten Laune faßen muß, wenn er sie hat. Vorläufig ein Paar Worte über das Arrangement. Es sollen 8 Bändchen à 16 Bogen werden. 3 Bände, ganz neue, und noch ungedruckte Wercke. 3 Bände schon gedruckte, aber ganz neue bearbeitete. 2 Bände Vermischte Gedichte, theils schon gedr. theils neu. Der Titel, Göthens sämmtl. Wercke von eigner Hand. Meine Ideen die ich über Einrichtung, Gang und Sicherung dieser Entreprise habe theile ich Ihnen mündlich mit, wenn wir erst über die HauptPunckte einig sind. Die vorhabende Reise nach Wien u.s.w. kommt dazu höchst gelegen. Die nöthigen Vorbereitungen dazu sind schon getroffen, und ich habe theils Himburgen schon vorigen Posttag gemeldet, daß Göthe selbst die Ausgabe seiner Wercke vorhabe, theils auch mit Göthens Willen in der A. L. Zeitung angezeigt, daß er an der ersten Herausgabe seiner Wercke arbeite, und diese bald zu hoffen sey. Kurz kommen Sie ja so schnell Sie können, um das Eisen zu schmieden so lang es warm ist.
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