Normalzeugnis Zeugnis
P. Götze an Goethe 24. 1. 1822 (WA I 33, 365)
Die Zeit welche alles verdrängt, mag wohl manches, wass mir noch früher von der Moselfarth mit Goethe erinnerlich war, verwischt haben. Ich kann mich nichts erinnern, als dass das Regiment Ihro Durchl. welches grosentheils seine Pferde zum Fortbringen der Kanonen, in Trier hergeben musste, auf Schiffe gepackt, und auf der Mosel nach Koblenz gefahren werden solle. Um dieser Gesellschaft zu entgehen, wurde beschlossen; früher abzureissen, und hierzu ein Einmänniges Fahrzeuch gemiethet. Ein Hr. von Raden Preuss. Platzkommedant von Frankfurt a/M. welcher Ordre in Trier abgeholt hatte, machte Gesellschaft, der Fahrt. Der Fuhrmann welcher zwar seine Geschicklichkeit im fahren Documentirte, konnte wie uns die Nacht und Sturm überfiel, nicht Wort halten, und das Fahrzeuch gehörig Regieren Wir wurden mit Wasser überdeckt, und den einschlagenden Wellen durchnässt. Der Fuhrmann fing an zugestehen: dass er nicht mehr wisse wo er wäre, noch zu fahren solle; und uns Gott befahl. Da wurde H. Major von Raden so weich, dass er nicht mehr sprechen konnte. Ich hatte meinen Rock ausgezogen, dass wenn wir an einen Fels geschleudert würden, uns wo möglich durch Schwimmen zu retten. Nach langen (bei der fürchterlichsten Finsterniss,) hin und her treiben wurden wir endlich in der Ferne Licht, und neues Leben gewahr, worauf so viel es der Sturm erlaubte frisch gerudert wurde, (und wenn mir recht ist:) das Städtchen Thrarbach erlangten, wo wir bei einem Kaufmann gütlich aufgenommen, und mit guten Mossier, die Todten Lebensgeister des H. M. v. R. wieder geweckt wurden ... Den andern Tag wurde unsere Reise nach Koblenz ruhig fortgesetzt.
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