Normalzeugnis Zeugnis
An Carl August 30. 4. 1786 (WA IV 7, 223. 209; Wahl1 1, 377)
Bey meinem Aufenthalte in Jena habe ich die wiederhohlten Klagen über das einreisende Landsmannschafftliche Wesen vernehmen müssen, und ich binn auf das dringenste veranlasst worden, höchsten Orts deshalb Vorstellung zu thun.
Obgleich eine nur geringe Zahl der Studirenden als Urheber und eigentliche Triebfedern dieses Unwesens angesehen werden können; so ist doch bereits der gröste Theil der Studirenden theils verführt, theils gezwungen worden sich in solche Verbindungen zu begeben, und die gegenwärtig noch freyen und wohl gesinnten, gehen täglich gut denckende Professoren an, mit der Bitte, daß Anstalten getroffen werden mögten, sie für der Zudringlichkeit der übrigen zu schützen, damit sie nicht auch genötigt seyn mögten, dem Strome zu folgen ...
Der iezige Prorecktor Hennings ist ein guter aber schwacher Mann, das Concilium arctius besteht aus den beyden Schmidt, Gruner und Wiedeburg und diese zusammen werden wohl schwerlich eine Resolution fassen, die dem Übel steuern könnte.
Man bittet daher um höchste Hülfe.
Man hält für den Moment für das Beste: wenn nur Commissionsweise, ad hunc actum, noch einige Glieder dem conc. arct. zugesellt würden, und wenn sodann der Prorecktor angewiesen würde, mit diesem verstärckten Concilio gegen die Landsmannschaften zu würcken.
Man hält für nötig alle diejenigen, welche der Landsmannschafftlichen Verbindungen verdächtig sind und welche von den Pedellen gar sicher angegeben werden können, vorkommen zu lassen, und solche ohne Untersuchung und ohne weiteres abzulegendes Bekänntniß dahin zu bedeuten, daß sie eidlich anzugeloben hätten, wenn sie sich in einer solchen Verbindung befänden, daß sie selbige sogleich verlassen, und niemals wieder darein sich begeben wollten; befänden sie sich nicht darinne, so hätten sie nur das Letzte anzugeloben. Man könnte ihnen ankündigen, daß man die Widerspänstigen und Übertreter mit Strafen ernstlich anzusehen nicht länger säumen würde.
Ein thätiger Prorecktor würde dieses von selbst thun ohne anzufragen, allein der gegenwärtige muß in Bewegung gesetzt werden.
Man verspricht sich von einer solchen Operation wenigstens für den Moment alles Gute, diejenigen welche ungern in die Landsm. Verbindungen getreten, werden frey, die ietzo noch übrigen Freyen beruhigt und die neuen bleiben ohne Anfechtung, alles wenigstens für den Moment. Man würde sich freylich sehr betrügen wenn man glauben wollte, daß eine solche Operation nachhaltig seyn könne, allein für den Augenblick hält man sie höchst nötig um Lufft zu gewinnen und hofft, daß denen höchsten Herrn Erhaltern gefällig seyn werde, eine Einrichtung zu treffen, wodurch in der Folge durch anhaltende Aufmerksamkeit die Rückkehr des Übels verhindert werde.
Eichhorn, Griesbach und Loder, welche ich über diese Materie gesprochen sind gleicher Meinung darüber und wünschen alle dreye, daß Serenissimus sich zu diesem Schritte entschließen mögten.
Sie glauben daß Durchlaucht der Herzog ohne die übrigen Höfe zu fragen gar wohl als Landesherr als Rector Magnificentissimus eine solche provisorische Verfügung treffen könnten, und glauben überhaupt daß Durchlaucht viel Gutes stiften könnten, wenn Sie eben diese Eigenschaft eines Rectoris magnificentissimi in Disciplin Sachen manchmal wollten gelten machen.
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