Normalzeugnis Zeugnis
Geh. Consilium an Carl August 20. 9. 1793 (AS 21, 334)
Die Besorgniß, daß die Ausführung dieses Vorsazes Entsendung einer Bürger-Deputation zu Carl August ins Hauptquartier, die den Herzog, nach dem Tode seines Bruders, bitten sollte, nach Weimar zurückzukehren Ew p unangenehm fallen möchte, hat uns ... aufgefordert, in heutiger Session, zu welcher auch der Geheimde Rath von Göthe mit gezogen worden, auf einen Ausweg zu dencken, wie HöchstDieselben einer solchen Überraschung zu entheben seyn dürfften.
Es hat sich uns aber kein anderes Mittel darstellen wollen, als ein bey der Bürgerschafft selbst zu machender Versuch, sie, wo nicht von der ganzen Idee, doch wenigstens von der Absendung einer eigenen Deputation gütlich abzubringen.
Wir werden denselben auch mit aller Behutsamkeit machen lassen, und zweifeln nicht, es durch diensame Vorstellungen in die Wege zu leiten, daß die Deputations-Abschickung unterbleibe; glauben aber nicht gewiß darauf rechnen zu können, daß die – dem Anschein nach, von ihrem Vorhaben leidenschafftlich eingenommene Bürgerschafft sich abhalten lassen werde, Ew p ihr Anliegen schrifftlich unterthänigst und dringend vorzutragen, welches leztere durch ein ausdrückliches Verboth zu verhindern, uns um deswillen bedencklich scheinet, weil solches bey dem gemeinen Mann zu mancherley widersinnigen Urtheilen und besonders zu dem Verdacht Anlaß geben könnte, als ob man Höchstlhro Unterthanen die Gelegenheit benehmen wolle, gegen ihren geliebtesten Landes-Vater und Regenten ein untrügliches Merckmahl ihrer Liebe, Treue, Anhänglichkeit und innigsten Theilnahme an deßen höchstem Wohlergehn an den Tag zu legen.
Indessen haben wir für nöthig gefunden, Ew p darüber, durch gegenwärtiges zu praeveniren ... halten aber ohnmaaßgeblich dafür, daß die Absicht, selbige die Bürgerschaft wenigstens vor der Hand zu beruhigen, sich nicht besser und würcksamer, als dadurch, erreichen lassen werde, wenn Ew p ihr zu einem, nach geendigter dießjährigen Campagne im bevorstehenden Winter von HöchstDenenselben intendirtem Besuch Ihrer Lande, solte es auch nur auf kurze Zeit seyn, eine Aussicht eröffnen könnten, weil wir versichert sind, daß die ängstliche Besorgniß und Unruhe, womit HöchstDero Unterthanen dermalen erfüllt sind, durch die Freude, ihren geliebtesten Fürsten einmahl gesund und wohl wieder zu sehen, sehr gemindert werden dürffte.
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