Normalzeugnis Zeugnis
Luise v. Göchhausen an Elisabeth Goethe 25. 10. 1778 (Keil1 S. 116)
Dießmal will ich Ihnen von vergangener berühmter Theatralischer Lustbarkeit erzehlen, die sich hier, bey den Hoflaager in Ettersburg zutrug. Dr. Wolfen und Philippen thu’ ich alles nur erdenckliche gebrante Herzeleid an wenn ich erfahre daß sie Ihnen schon das ganze Wesen geschrieben haben, denn ich habe diese Menschen-Kinder gebeten mir einmal die Freude zu laßen.
Also den 20. 8br. dieses mit Gott hinschleichenden Jahres trug sich zu daß auf den hiesigen neuerbauten Ettersburgschen Theater der Medecin malgré lui, von Einsiedeln übersetzt, und das Jarmarksfest zu Plundersweilen, zu grosen gaudium aller vornehmen und geringen Zuschauer, hier aufgeführt wurde. Drey ganzer Wochen vorher, war des Mahlens des Lermens und des Hämmerns kein Ende, und unsere Fürstin, D. Wolf, Krauß etc. purzelten immer übereinander her ob der grosen Arbeit und Fleißes. Die spielenden Personen im Medecin wahren: Einsiedel als Scannarell, Aenngen Müller, seine Frau. Der Kammerherr Seckendorff Geronde. Hr. Saydler, Leander. Mlle. Schröder, Lucinde. Mlle. Probsten, die Amme. Hr. Wolf Goethe, Lucas. Der Herzog Vallere und Profeßor Musaeus als Robert ... Das Stück ging sehr gut, und Baron Einsiedel spielte besonders sehr fein, wie auch Doctor Wolf seinen Lucas in Bauertracht, herrlich gut. Zum Nachspiel erschien nun das gepriesene Jahrmarcksfest; der Doctor sagte er hät’s schon geschickt. Die spielenden Personen, siehe Beylage 1. Das Bänckelsänger Gemählde, weil es von Kennern und Nichtkennern für ein rares und treffliches Stück Arbeit gehalten wird, und Sie als eine Kunstkennerin und Liebhaberin dergleichen Dinge berühmt sind, wird Ihnen in einer Copie, ins Kleine gebracht, nebst der Romantze auch zu geschickt. D. Wolf spielte alle seine Rollen über allemasen trefflich und gut, hatte auch Sorge getragen sich mächtiglich, besonders als Marcktschreyer herraus zu putzen ...
Unter denen Zuschauern befand sich die Erbprintzes von Braunschweich, die einige Tage zuvor angekommen war, u. grose Freude an unsern Guckelspiel bezeugte.
Nach der Comedie wurde ein groses Banquet gegeben, nach welchen sich die hohen Herrschaften sämdlich (auser unsere Herzogin) empfahlen, uns Comedianten Packt aber wurde noch ein mächtiger Ball bereitet der bis am hellen lichten Morgen dauerte, und alles war lustig und guter Dinge ...
Spielende Personen im Puppenspiel.
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