Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (24. Februar 1820)

B.s langwierige und heftige Unpäßlichkeit habe eine frühere Beantwortung von G.s Brief verhindert. - J. H. von Dannecker wolle im Frühjahr nach Weimar kommen, wenn es die erhoffte Genesung seiner Frau erlaube. Er werde die Lebendigkeit des Geistes und die Kraft der Seele in G.s edelen Zügen finden und in seinem Entwurf (einer Büste für das geplante Frankfurter Goethe-Denkmal) darstellen. - Aus Frankfurt werde gemeldet, daß die Denkmalsangelegenheiten ihren Gang gingen. - Inzwischen werde G. den Brief B.s und das Paket mit (J. D. G.) Memmingers Jahrbuch (Ruppert 2893, mit Memmingers Beiträgen "Cannstatt und seine Überschwemmung im Frühling 1817" und "Zu Cannstatt ausgegrabene fossile Tierreste") und G. Jägers "Über die Mißbildungen der Gewächse" sowie einer Rolle mit dem Umriß der großen Gruppe der drei Könige aus dem Gemälde von Hemmling ("Anbetung der Könige" von H. Memling) erhalten haben. B. wünsche ein freundliches Wort über Jäger, weil der Einsender mein Arzt ist (vgl. G. "Nacharbeiten und Sammlungen", in: "Zur Morphologie" I 2). Der Umriß stamme von einem jungen Mann namens F. Lauter. - Bei dieser Gelegenheit wolle B. nicht versäumen, Sie um Übersendung sämtlicher seit 1814 Ihnen von unseren Bildern mitgetheilten Umriße zu bitten, darunter den der sterbenden Maria (von J. van Scorel nach J. van Cleve), eine "Kreuzigung" von Mabuse (vermutlich Umkreis B. van Orley; vgl. RA 7, Nr. 486) und die "Heilige Veronika mit dem Schweißtuch". B. plane die Herausgabe von Stichen oder Steindrücken nach den Bildern und benötige die alten Umrisse zum Vergleich (vgl. "Die Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder ... Boisserée und Johann Bertram. Lithographiert von N. Strixner", Ruppert 2183). G. werde die Blätter anschließend zurückerhalten. - Die Heidelberger deutsche Handschrift der Dreikönigslegende (aus der Bibliotheca Palatina) wolle G. Schwab mit dem lateinischen Manuskript in G.s Besitz (Johannes von Hildesheim "Liber de translatione trium regum", Ruppert 2673) vergleichen und anschließend einen Text in Luthers Bibelsprache herstellen (vgl. Johannes von Hildesheim "Die Legende von den heiligen drei Königen"). Falls G. dem Plan zustimme, bitte B. um die Übersendung des Manuskripts; erwähnt: G.s Veröffentlichung über die Legende (in: "Über Kunst und Altertum" II 2) sowie die Grimm's Mone's und Büsching's.

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