Normalzeugnis Zeugnis

Schiller an F. v. Hoven 22. 11. 1794 (SNA 27, 91)

Vielleicht hat Dir Fama schon gesagt, daß künftiges Jahr ein neues Journal von mir anfangen wird ... Göthe ist mit ganzer Seele dabey, und er allein wird die 3 ersten Stücke zur Hälfte besetzen. Auch schreibt er mir an meinem Musenalmanach. Ueberhaupt bin ich in diesem Sommer endlich mit Göthen genau zusammen gekommen, und es vergeht keine Woche, daß wir nicht einander sehen oder schreiben. Vor einiger Zeit habe ich mehrere Wochen in Weimar bey ihm gewohnt und ihn ganz in seinem Wesen kennen lernen. Er ist ein höchst intereßanter Charakter in jedem Betracht, und seine Sphäre ist so weit ausgebreitet. In Naturhistorischen Dingen ist er treflich bewandert und voll großer Blicke, die auf die Oeconomie des organischen Körpers ein herrliches Licht werfen. Sein Dichtergeist ist noch ganz und gar nicht ausgelöscht, nur hat er sich seit einiger Zeit auf alle Teufeleyen eingelassen, davon Du in den ersten Stücken des Journals Proben finden wirst. Ueber die Theorie der Kunst hat er viel gedacht und ist auf einem ganz andern Wege, als ich, zu den nehmlichen Resultaten mit mir gekommen. Gegenwärtig correspondieren wir darüber.

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