Brief

Von Friedrich Schiller (23. Juli 1798)

G.s erster anaglyphischer Versuch für das Titelblatt der "Propyläen" lasse viel Gutes erwarten (vgl. RA 2, Nr. 1395). - Da der "Musenalmanach" für 1799 gedruckt werde, habe er G.s PoetenGedicht den Titel Sängerwürde gegeben ("Deutscher Parnaß", WA I 2, 23-31). - In Ihrem Streit mit Meiern scheint mir dieser ganz Recht zu haben. Ob sich gleich das schöne naive in keine Formel faßen und folglich in keiner solchen überliefern läßt, so ist es doch seinem Wesen nach dem Menschen natürlich, da die entgegengesetzte sentimentale Stimmung ihm nicht natürlich sondern eine Unart ist. Über die Forderungen an eine Schule für die Kunst. - J. W. Ritters "Beweis, daß ein beständiger Galvanismus den Lebensprozeß im Tierreich begleite" (Ruppert 5022) habe S. nicht befriedigt. - Zum neuen "Athenäum" (Ruppert 278), insbesondere zu den "Fragmenten" (von F. und A. W. Schlegel, F. L. von Hardenberg und Schleiermacher) : Mir macht diese naseweise, entscheidende, schneidende und einseitige Manier physisch wehe.

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