Normalzeugnis Zeugnis

O. Glagau (nach W. Zahns mündlichem Bericht?) (Der Volksgarten 1864, 36 S. 552)

Einst saß er mit dem Maler Wilhelm Tischbein ... und mit andern guten Freunden beim Weine, als ein Fremder gemeldet wurde, der den unsterblichen Dichter zu sehen begehre. Die Störung war Allen unangenehm, und „Kunschtmeyer“ wurde hinausgeschickt, um den Lästigen abzuweisen. Er bedeutete dem Fremden, daß die Excellenz nicht gestört werden dürfe, da sie gerade „Versche mache“. Aber Jener, der ein Engländer und dazu ein Verwandter des Herzogs von Wellington war, besaß an edler Dreistigkeit genug, um sich nicht abtrösten zu lassen. Trotz aller Protestationen, die der unglückliche „Kunschtmeyer“ erhob, drang er mit diesem zugleich in das Zimmer ein, wo Göthe und seine Genossen zechten. – „Ah,“ sagte der Unverschämte, „Excellenz machen also Verse; da kann ich helfen!“ Und er pflanzte sich ohne Weiteres an den Tisch. Aber Göthe nahm den Spaß gut auf und reichte dem Eindringling ein volles Glas.

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