Normalzeugnis Zeugnis
S. Chr. A. Lütkemüller, Wieland’s Privatleben (Der Gesellschafter 4. Nov. 1826, S. 886)
Ich erlaubte mir einmal, Wieland bei einem seiner einsamen Spaziergänge im Weimarschen Park zu beobachten ...
Eine andere Begegnung erwartete ihn, als er der Schloßbrücke nahte; Goethe trat ihm entgegen. Beide begrüßten sich brüderlich mit der Hand und Wieland ging mit Goethe in den Stern zurück. Es war mir ein sehr anziehendes Schauspiel, beide Dichter mit einander wandeln zu sehen. Wie ihr Geist, so war auch ihr äußerliches Wesen verschieden. Wieland hatte bei zartem Körperbau einen etwas schwebenden Gang; Goethe schritt in stammhafter, kraftvoller Mannsgestalt mit festen, gewichtigen Tritten einher. Auf Wieland’s Gesicht schwebte sinnige Freundlichkeit und feiner Spott in sehr beweglichen Zügen; Goethe’s Blick und Miene war fest und voll gebietenden Ernstes. Nicht bedeutungslos schien mir’s auch, daß Goethe einen großen dreieckigen Hut queer aufgesetzt trug; Wieland’s Haupt war mit einem weichen runden Hute bedeckt.
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