Normalzeugnis Zeugnis
W. v. Humboldt an Körner 7. 3. 1797 (Leitzmann9 S. 35)
Mit herzlicher Freude packte ich neulich das Göthische Gedicht für Sie ein, liebster Freund, im Vorgefühl des Genusses, den es Ihnen verschaffen würde. Gewiß kommt es auch, Ihrem Urtheile nach, Göthens besten früheren Produkten gleich, und sein episches Genie zeigt sich hier schon in seiner vollen Größe. Er ist jetzt in der Mitte der Arbeit der letzten Gesänge und denkt sie noch hier zu vollenden; Schiller scheint – denn gesehen habe ich noch nichts davon – mit gleichem Glück mit seinem Wallenstein beschäftigt, und ich habe eine unendlich interessante Existenz zwischen ihnen beiden, wie sie beide jetzt gerade in dem Feuer der Composition sind. Besonders ist es ein reichlicher Anlaß über die epische oder tragische Bestimmung beider zu dissertiren, und dieß führt uns gewöhnlich tief in das Wesen der Tragödie ein ...
Stellen Sie Sich nur vor ... daß ich es gewagt habe, eine Uebersetzung des Agamemnon des Aeschylus zu unternehmen, und wirklich schon über ein Drittel des Ganzen vollendet habe. Die Schwierigkeiten haben mich nicht abgeschreckt, und Göthe, dem ich meine Arbeit gezeigt habe, nimmt lebhaften Antheil daran, und ist zufrieden damit.
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