Brief

Von Johann Isaak von Gerning (16. Dezember 1816)

Am 16. August sei Gerning zusammen mit Graf K. F. Reinhard bei A. Brentano in Winkel gewesen, aber das üble Wetter habe sie von der Rochus-Feyer abgehalten. Das Weimarer Bild (das von L. Seidler ausgeführte Gemälde des heiligen Rochus für die Kapelle in Bingen) prangt dort auf dem schönen Berge. - Herzog Wilhelm von Nassau habe sich vergeblich auf G.s Erscheinung in Wiesbaden gefreut. - Die gute alte Herzogin Luise von Nassau sei gestorben. Die Prinzeß Augusta (von Hessen-Homburg; richtig: Gräfin Bismark) wohne in Mannheim mit ihrem Geliebten (? Graf F. Bismark). - Der ebenfalls vor kurzem verstorbene J. F. Städel hinterließ nur 1300,000 fl. Das war ein Kunst-Kautz! Fast alles wird auf seine Anstalt verwendet [...]; erwähnt: J. G. Grambs. Die Stadtbibliothek und das Museum seien nicht bedacht worden. Man habe gehofft, ein Göthe waltete über das Ganze. - A. Brentano, Reinhard, J. J. Riese, Grambs, K. vom und zum Stein und H. C. von Gagern ließen grüßen. - Gagern habe in der nun regen Bundesversammlung, bei der Gerning demnächst Hessen-Homburg vertreten werde, von G. und Weimar mit Enthusiasmus gesprochen. Gerning habe geholfen, Landgraf Friedrich V. Ludwig von Hessen-Homburg wieder zum Souverain zu machen. - In der Frankfurter gesetzgebenden Versammlung hoffe Gerning durchzusetzen, daß sich Frankfurt gemeinsam mit den Hansestädten dem Jenaer Oberappellationsgericht anschließen werde. Erwägung, daß dann auch einmal ein Freystädter Präsident werden könnte. Bitte um eine vertrauliche Mitteilung G.s., da Gerning in dieser Sache vortragen müsse. - Gerning sei gegenwärtig auch mit einer historischen Rheinreise beschäftigt ("Die Rheingegenden von Mainz bis Köln"). - Lob für G.s "Italienische Reise" (1. Teil), und Wunsch, daß Gernings Insektensammlung im 2ten Rhein und Maynhefte erwähnt werden möge. Über den Stand der Verkaufsverhandlungen mit Wien und die Möglichkeit, daß die Sammlung nach Wiesbaden komme. - Angebot einer Schachtel mit getrockneten Mirabellen, Renekloden und Kirschen. - Glückwünsche zur Vermählung A. von Goethes (mit O. von Pogwisch). - Die Beylage von J. K. Dahl könne wohl nicht Großherzog Karl August präsentiert werden, ohne von C. G. K. Vogel bearbeitet zu werden. Ueber noch ein anderes Werk aus Mainz wird Anfrage kommen. - Namensvorschlag für das Jenaer Oberappellationsgericht.

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