Brief

Von Johann Gottfried Herder (3. Dezember 1788)

Endlich wolle H. auch an G. schreiben, der es durch seine ständige Theilnehmung verdient habe. Was H. bisher in Rom gesehen habe, sei nichts gegen das, was er noch zu genießen u. zu erforschen wünsche. Über den antiken Statuen, seinem liebsten u. wahren Heiligthum, vergesse er alles andere. Obwohl H. einen anderen Weg als G. gehe, treffe er mit ihm am Ende doch zusammen und hoffe auf gemeinsame Erinnerungen. Er beginne die Ital. Sprache zu lieben und sich mit dem römischen Milieu zu versöhnen. G.s hiesige Freunde liebten G. unbeschreiblich, von allem Bury, mit dem H. die Gemäldegalerien Palazzo Colonna und Borghese gesehen habe. M. A. A. Zucchi habe auch an Reiffenstein und Antonio Zucchi keine Stütze, und H. könne ihr G.s Verlust nicht ersetzen. A. L. Hirt werde ein nützlicher Mensch in der Kunstgeschichtsschreibung werden, H. treibe u. hobele ihn gewaltig. Herzogin Anna Amalia, L. von Göchhausen und F. H. von Einsiedel seien sehr gut zu H., er werde wahrscheinlich mit ihnen nach Neapel gehen, von wo ihm W. Tischbein seine Dienste anbiete. - Dank für den seiner sorgenvollen Frau geleisteten brüderlichen Beistand. Bitte um Empfehlung an Herzog Karl August, Herzogin Luise und C. von Stein. Alle Bekannten G.s ließen ihn grüßen; in der Poetenzunft Arkadia habe man ein Sonett auf G. gedichtet.

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