Brief
Von Johann Heinrich Meyer (26. Juli 1797)
Ausführliche Stellungnahme zu G.s Schrift "Über Laokoon": Sie umfasse im Unterschied zu ähnlichen anderen den Gegenstand besser. Er stehe zwischen den beiden entgegengesetzten Anschauungen, die einerseits die Schönheit ohne Theilnahm und Leidenschaft als höchster Zweck und ziel der Kunst und andererseits die Wahrheit verlange. Freude darüber, bei G. bestätigt gefunden zu haben, daß alle einzelnen Figuren der Gottheiten wie sie von den Griechen gebildetworden vollkommene Sujets für die Kunst seien. M. stimmt G.s Vorschlag zu, die "Laokoon"-Gruppe mit der des "Farnesischen Stiers" zu vergleichen, und fordert eine weitere Vergleichung zwischen diesen und der der "Niobe". Vom tragischen Wesen der "Laokoon"-Gruppe und dem nichttragischen eines Schlangen erwürgenden jungen Herkules aus den Florentiner Uffizien. - Die von G. entwickelte Tabelle habe M. in Italien beim Studieren und Erfassen von Kunstwerken systematischer arbeiten lassen, wenngleich man bei der Kunstbetrachtung von dem Strom fortgeführt, wie im Wirbel herum gerißen werde. - In Norditalien scheine es friedlicher zuzugehen. Dennoch dürften W. von Humboldt und J. I. Gerning einen ungünstigen Weg dorthin eingeschlagen haben. - Zustimmung zu G.s Urteil über A. L. Hirt und Dank für die guten Nachrichten über die Weimarer Freunde.
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