Brief

Von Philipp Christoph Kayser (15. Februar 1784)

G. erhalte ein von K. aus Genf über Zürich gesandtes Paket. - Ausführlich über seine auf dem Weg von Genf über Savoyen, Piemont, Turin und Pavia nach Mailand gewonnenen Reiseeindrücke. Genf mache durch die böse Wirtschaft der in dieser Stadt liegenden fremden Offiziers einen sehr schlechten Eindruck; er sei nur vier Tage dort gewesen und habe H. B. von Saussure nicht angetroffen. Von seiner beschwerlichen und langwierigen Weiterreise und dem ungewöhnlich harten Winter, dem gegenüber die unbequemen Einrichtungen des Landes nur ungenügend Schutz böten. - Ausführlich über die ihm auf der Reise begegneten Musikereignisse, vor allem die Opern- und Ballettaufführungen: Vom neuerbauten Schauspielhaus in Genf, wo er A. E. M. Grétrys Musik sammt einigen andern französischen Lustspielen und Farçen gesehen habe, sowie über weitere (genannte) Inszenierungen in Turin und Mailand von den Kapellmeistern Ottani und Monza und über die wichtigsten Solisten, unter anderem Marchesini und Pugnani. In Mailand sei gar Iphigenie auf Tauris als Oper gegeben worden, aber über die künstlerische Qualität dort sei er enttäuscht. Es ist als ob Roußeaus, Allgurottis und Glucks Critiken gar nicht in der Welt wären [...]. /Kurz, ich hatte glücklich vergeßen daß ich die Italienische Oper nicht allein als das unerträglichste ding, sondern auch besonders gänzlich in ihrem Verfall erwarten müßte. Auch sei das Benehmen des Publikums besonders in Pavia über alle Beschreibung schlecht, wodurch K. der Genuß an Glucks Ballett "Il convitate di Pietro" verdorben worden sei.

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