Brief

Von Karl Friedrich Zelter (7. bis 9. Juni 1820)

1820 Juni 7 Über die Leseprobe zum "Faust" am 5. Juni bei Graf K. Brühl (für eine erweiterte Vorstellung der von Fürst A. Radziwill vertonten Szenen); dabei erwähnt: Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz, A. Stich und P. A. Wolff. Der Stein des Anstoßes bestand nun abermalen darin, Surrogate für anstößige Stellen zu finden um nicht sowohl den jüngsten weiblichen Personen des Hofes als ihren alten Hüterinnen ohne Ärgerniß zu erscheinen. - Zur bevorstehenden Wiederholung der "Faust"-Aufführung vom 24. Mai im Schloß Monbijou zu Ehren G. Spontinis. Dieser lasse gerade seine Oper "Olympia" ins Deutsche übertragen und einstudieren (Libretto von E. T. A. Hoffmann nach M. Dieulafoy und C. Brifaut). Über Pläne Spontinis, das Orchester erheblich zu vergrößern und Z.s skeptische Haltung dazu. 1820 Juni 8 Die gestrige "Faust"-Vorstellung sei abermals nach Wunsch von statten gangen. Überzeugung Z.s, daß diese öfteren Wiederholungen nötig seien, um das Ganze in Fluß zu bringen. Außer dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. und dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm sei wieder der Hof zugegen gewesen. Spontini habe man das Gedicht vermittelst der Erklärungen der Frau von Stael (vgl. "De l'Allemagne", 2. Teil, Kap. 23) bekannt zu machen gesucht. - Grüße von Prinzeß Wilhelm (Prinzessin Marianne von Preußen); erwähnt: Königin Luise von Preußen und Herzogin Friederike von Cumberland. - G. sei mit seinem Aufenthalte in Böhmen sehr glücklich gewesen; anhaltendes Regenwetter in Berlin. 1820 Juni 9 Z. habe gestern K. Eberweins 5tes u 6tes Heft Lieder erhalten (vgl. Brief vom 1. Juni 1820, GSA 95/N2); über den Vortheil eine Sängerin in der Nähe zu haben (H. Eberwein). Beschreibung von Z.s Arbeitsweise beim Vertonen von Gedichten, insbesondere den Gedichten G.s.

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