Normalzeugnis Zeugnis

Biographische Einzelnheiten. Lenz (WA I 36, 230)

Ich besuchte auf dem Wege Fridericke Brion; finde sie wenig verändert, noch so gut, liebevoll, zutraulich wie sonst, gefaßt und selbstständig. Der größte Theil der Unterhaltung war über Lenzen. Dieser hatte sich nach meiner Abreise August 1771 im Hause introducirt, von mir was nur möglich war zu erfahren gesucht, bis sie endlich dadurch daß er sich die größte Mühe gab meine Briefe zu sehen und zu erhaschen mißtrauisch geworden. Er hatte sich indessen nach seiner gewöhnlichen Weise verliebt in sie gestellt, weil er glaubte, das sei der einzige Weg hinter die Geheimnisse der Mädchen zu kommen; und da sie nunmehr gewarnt, scheu, seine Besuche ablehnt und sich mehr zurückzieht; so treibt er es bis zu den lächerlichsten Demonstrationen des Selbstmords, da man ihn denn für halbtoll erklären und nach der Stadt schaffen kann. Sie klärt mich über die Absicht auf, die er gehabt mir zu schaden und mich in der öffentlichen Meinung und sonst zu Grunde zu richten, weßhalb er denn auch damals die Farce gegen Wieland drucken lassen.

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