Normalzeugnis Zeugnis
Italienische Reise. 27. 9. 1786 (WA I 30, 87)
Endlich habe ich die Werke des Palladio erlangt ...
Bei Gelegenheit dieses Ankaufs betrat ich einen Buchladen, der in Italien ein ganz eigenes Ansehen hat. Alle Bücher stehen geheftet umher, und man findet den ganzen Tag über gute Gesellschaft. Was von Weltgeistlichen, Edelleuten, Künstlern einigermaßen mit der Literatur verwandt ist, geht hier auf und ab. Man verlangt ein Buch, schlägt nach, lies’t und unterhält sich, wie es kommen will. So fand ich etwa ein halb Dutzend beisammen, welche sämmtlich, als ich nach den Werken des Palladio fragte, auf mich aufmerksam wurden. Indeß der Herr des Ladens das Buch suchte, rühmten sie es und gaben mir Notiz von dem Originale und der Copie, sie waren mit dem Werke selbst und dem Verdienst des Verfassers sehr wohl bekannt. Da sie mich für einen Architekten hielten, lobten sie mich, daß ich vor allen andern zu den Studien dieses Meisters schritte, er leiste zu Gebrauch und Anwendung mehr als Vitruv selbst, denn er habe die Alten und das Alterthum gründlich studirt und es unsern Bedürfnissen näher zu führen gesucht. Ich unterhielt mich lange mit diesen freundlichen Männern, erfuhr noch einiges, die Denkwürdigkeiten der Stadt betreffend, und empfahl mich.
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