Normalzeugnis Zeugnis
Schiller an Charlotte Schiller 20. 9. 1794 (SNA 27, 49)
Ich bringe die meisté Zeit des Tages mit Göthen zu, so daß ich, bey meinem langen Schlafen, kaum für die nöthigsten Briefe noch Zeit übrig habe. Vor einigen Tagen waren wir von halb 12 wo ich angezogen war biß Nachts um 11 Uhr ununterbrochen beysammen. Er las mir seine Elegien, die zwar schlüpfrig und nicht sehr decent sind, aber zu den beßten Sachen gehören, die er gemacht hat. Sonst sprachen wir sehr viel von seinen und meinen Sachen, von anzufangenden und angefangenen Trauerspielen u. dgl. Ich habe ihm meinen Plan zu den Malthesern gesagt, und nun läßt er mir keine Ruhe, daß ich ihn biß zum Geburtstag der regierenden Herzogin wo er ihn spielen laßen will, doch vollenden möchte. Es kann auch ganz gut dazu Rath werden, denn er hat mir viel Lust dazu gemacht, und dieses Stück ist noch einmal so leicht als Wallenstein. Er hat mich gebeten, seinen Egmont für das Weimarische Theater zu corrigieren, weil er es selbst nicht wagt, und ich werde es auch thun. Meinen Fiesko und Cabale und Liebe räth er mir, auch nur ein wenig zu retouchieren, daß diese Stücke ein bleibendes Eigenthum des Theaters werden. Was seinen Antheil an den Horen betrift, so hat er großen Eifer, aber freilich wenig vorräthige Arbeit. Seine Elegien giebt er uns und zwar gleich für die ersten Stücke. Alsdann hat er mir vorgeschlagen, einen Briefwechsel mit ihm über Materien zu eröfnen, die uns beyde interessieren, und dieser Briefwechsel soll dann in den Horen gedruckt werden.
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