Normalzeugnis Zeugnis

Dorothea Veit an Rahel Levin 18. 11. 1799 (Raich 1, 22)

Goethe habe ich gesehen! und nicht blos gesehen; er ist mit mir und den beiden Schlegel’s wohl eine gute halbe Stunde spazieren gegangen; hat mich mit einem auszeichnenden Blick gegrüsst, als mein Name genannt wurde, und sich freundlich und ungezwungen mit mir unterhalten. Er hat einen grossen und unauslöschlichen Eindruck auf mich gemacht ... – Von dem zurückschreckenden Wesen, das man so allenthalben von ihm sich erzählt, habe ich wenig gemerkt; im Gegentheil, obgleich meine Schüchternheit und Angst gross war, so nahm sie doch sehr bald ab, und ich gewann vielmehr ein gewisses schwesterliches Vertrauen in ihn. Ewig schade ist es, dass er so korpulent wird; das verdirbt einem ein wenig die Imagination! Wie er so neben mir her ging und freundlich redete, da verglich ich seine Person mit allen seinen Werken, die mir von ihm in der Eil einfielen, und da habe ich gefunden, dass er dem ‚Meister‘ und dem ‚Hermann‘ am meisten ähnlich sieht. Am allerwenigsten konnte ich aber den ‚Faust‘ in ihm finden, alles andre aber ganz deutlich, die ‚vermischten Gedichte‘, ‚Tasso‘, ‚Egmont‘, ‚Werther‘, ‚Götz‘, ‚Elegieen‘, überhaupt alles, alles! – Auch der väterliche Ton in seinen letzten Sachen ward mir klar. – Er geht zu niemand als zu Schiller.

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Fand statt in (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen