Brief

An Caroline Herder (29. Mai 1789)

Folgen Sie mir und laßen den Brief in Venedig liegen, schreiben dem guten Alten sogleich nach Bologna einen guten Extrackt von allem was wir wünschen und dencken. Daß Sie nach Carlsbad gehen wollen und daß ich vielleicht auch hinkomme. Daß wir ihn herzlich lieben und ihn freundlichst erwarten. Nur bitte ich thun Sie von nun an nichts im Elecktra Sinne, und fragen mich hübsch. Ich kann in einzelnen Sachen irren, aufs Ganze werde ich nie fehlen. Der Brief in Venedig liegt ohne Wort ganz ruhig, geht er nach Venedig; so findet er ihn, geht er nicht hin; so laßen wir ihn zurück kommen. / Schreiben Sie ihm nun aber und abermal daß er sich mit Göttingen nicht weiter einläßt. Sonntags komme ich wohl in die Stadt. Ich möchte euch wohl einen schönen Morgen einladen. Wir wollen es abreden, daß es ohne weitere Gefahr geschehe. Morgen sage ich noch ein Wort. Tasso ist so gut als fertig. Noch aber darf ich nicht groß thun. Adieu Liebe. Thun Sie nur jetzt nichts ohne meinen Rath. Der ist immer zu haben. Adieu. Hier oben geht alles nach Wunsch. G.

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