Normalzeugnis Zeugnis
Ph. Seidel an J. A. Wolf 15. 10. 1777 (JbGG NF 22, 155)
pp also ich will Dir lieber sagen, das wir eine Köchin und ich nunmehr eine ordentliche Haushaltung zu dirigieren haben. Ich habe nur so viele Freude über unsere Lebensart, gieb nur einmal acht, wie das weiter geht und, oder all mein prophetisches Gefühl müßte mich betrügen, ob wir nicht die Anherren und Erbauer eines Dörfgens oder Vorstadt oder Burg wenigstens werden und man nicht nach ein paar Hundert Jahren sagen wird, da geht Goethes und seines Philipps Geist um, einander umschlungen führend: O daß ich meine Seele aushauchen könnte in Liebe zu diesem Manne und würdig wäre dem Gott zu danken, der mir so viele Seeligkeit bei ihm zu kosten giebt.
Wir haben das ganze Verhältnis wie Mann und Frau gegeneinander. So lieb ich ihn, so er mich, so dien ich ihm, so viel Oberherrschaft äußert er über mich.
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