Normalzeugnis Zeugnis

J. C. W. Voigt (J. Voigt S. 171. 176)

An dem heutigen zum feyerlichen Wiederangriff des hiesigen Bergwerks bestimmten Tage versammelten sich früh ½9 Uhr die allhier wohnhaften Standespersonen und Honoratioren geistl. u. weltl. Standes bey Fürstl. Bergwerkscommission; sämtliche Knappschaft aber zog von dem Zechenhause her mit fliegender Fahne, und klingendem Spiel, und stellte sich vor den Posthause als den Quartier der Fürstl. Herren Commissarien. Hierauf wurde in dem Versammlungszimmer von Sr. Hochwohlgeb. dem Herrn Geheimen Rath von Göthe die Absicht des feyerlichen Tages durch eine Rede eröffnet, die man zu gleicher Zeit der versammelten Knappschaft gedruckt austheilte. Nach Schluß dieser Rede zogen die Bergleute voraus in die Kirche, nach ihnen folgten die Herren Commissarien mit der ganzen Versammlung von Honoratioren. Von dem Herrn Superintendent Jacobey wurde eine eigene auf diesen Tag gerichtete Predigt gehalten, nach der Predigt Music gegeben und hierauf der Zug zu dem zum neuen Schacht bestimmten Puncte angetreten. Voraus ging ein Bergmann, der eine neue, zierlich mit einer Innschrift gearbeitete Keilhaue, womit der erste Hieb geschehen sollte, trug. Hierauf folgte der Musicchor in Berghabit; alsdann der Fürstl. Berggeschworene mit der ersten Division Bergleute, vor der 2 Steiger und die Fahne vorausgiengen, aufführend. Zwischen dem ersten und zweyten Zug Bergleuten giengen die übrigen außer dem Berggeschworenen zum Bergbauamt angestellten Personen. Nach dem zweyten Zug Bergleuten folgten die Fürstl. Herrn Commissarien unter Begleitung der Standespersonen und Honoratioren. Hierauf zog die Schuljugend mit zwey Fahnen, unter ihren Anführern, und ein Teil der Bürgerschaft beschloß den Zug. Als man bey den zum neuen Johannisschacht abgesteckten Platz, der mit einem grünen Schirm von Tannenreiß ausgezeichnet war, ankam, wurde ein Creyß um denselben geschlossen; worauf der Fürstl. Berggeschworene die neue Keilhaue der Fürstl. Commission präsentirte. Des Herrn Geh. Rath von Goethe Hochwohlgeb. thaten hierauf den ersten Anhieb; es wurde hierauf von den Anwesenden ein dreymalig Glückauf ausgerufen. Als hierauf noch von dem Herrn Regierungsrath Voigt und einigen Honoratioren, denen die Keilhaue präsentirt worden, der erste Anhieb gleichmäßig vollführt worden; riefen Se. Hochwohlgeb. der Herr Geheimerath von Göthe den Fahnenträger der Knaben, Nahmens Christoph Bernh. Friedr. Höhn, herbey und ließen demselben, um bey der Jugend dieser Feyerlichkeit noch mehreren Eindruck zu verschaffen, ebenfalls einen dreyfachen Anhieb thun, und demselben zum Andenken der Sache, den Kux Nr. 404 frey zugewähren. Hiermit wurde diese Feyerlichkeit beschlossen, der übrige Tag aber unter mancherley Vergnügen hingebracht; wie denn der H. Geheimerath von Göthe einen Theil der Standespersonen und Honoratioren bey sich bewirtheten; abends aber auf dem Rathhause war ein Ball veranstaltet worden.

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