Brief
Von Friedrich Schiller (30. Juni 1797)
S. sei über G.s grundsätzlich positives Urteil zu Hölderlins Gedichten erfreut. Hölderlins Art zu dichten erinnere S. oft an seine eigene. Hölderlin besitze eine heftige Subjectivität und verbinde damit einen gewißen philosophischen Geist und Tiefsinn. Sein Zustand sei gefährlich, da solchen Naturen so gar schwer beyzukommen sei. Über Hölderlins derzeitige Existenz im Hause J. F. Gontards. - S. Mereau habe für die "Horen" den Anfang ihres Romans "Briefe von Amanda und Eduard" angeboten. Verwunderung über die gute Qualität des Romans und über die Schreibgeschicklichkeit der zeitgenössischen Schriftstellerinnen überhaupt. - Frage, ob G. die Übersetzung der Hymnen und Epigramme des Kallimachos von C. W. Ahlwardt kenne. Ahlwardt sei von J. H. Voß empfohlen worden, habe auch im "Merkur" veröffentlicht und biete "Hero und Leander" (von Musaios) und einige Übersetzungen aus dem Englischen für die "Horen" an. G. möge Böttiger um sein Urteil bitten. - Bitte, die von J. (Thomas) Carver verfaßten "Reisen durch die innern Gegenden von Nordamerika in den Jahren 1766, 1767 und 1768" (Hamburg 1780) für S. von C. G. Voigt zu entleihen.
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