Normalzeugnis Zeugnis

K. Morgenstern, Reisebericht 25. 4. 1798 (JbGG NF 4, 73)

Mittwoch den 25ten schickte Oberkonsistorialrat Böttiger zu mir. Er wolle mich von Falks Wohnung zu Goethe führen. Ich hatte ihn nicht darum ersucht ... Böttiger kam gleich darauf und brachte mich zu Goethe, wo ich eine große Gesellschaft zum Dejeuner versammelt fand. Hier fand ich Iffland, den Rat Schlegel und seine Frau, den Prof. Meyer aus der Schweiz (Goethes Hausgenossen und Reisegefährten in Italien), den Hofkammerrat Kirms, Mlle. Ludecus, Mlle. Jagemann (welche sang), Justizrat Hufeland und seine Frau, Hofrat Hufeland und seine Frau ... D. Paulus etc., selbst den regierenden Herzog, von dem ich erst nach dem Weggehen erfuhr, daß ers gewesen; den zweiten Prinzen von Gotha ... einige Schauspielerinnen etc. – Goethens Haus ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Die Treppe ist in einem einfachen Stil (weiß und blaßgelb; unten stehn in Nischen ein paar Statuen; nach oben zu ist ein leichter Plafond). In dem Hauptsaal hängt ein großes Gemälde (mich dünkt, eine Venus und Kupido, Kopie eines italienischen Originals); an die Breite des Saals stößt ein blaues Kabinett mit der Büste des Vatikanischen Apolls etc. Aus diesem sieht man in den Garten auf blühende Rosenstöcke etc. In den Saal kam ich durch zwei Nebenzimmer, in deren einem über einem Kamin eine von Prof. Meyer verfertigte Kopie des antiken Gemäldes „Die Aldobrandinische Hochzeit“ hing. Fußboden en mosaique u. schöne Teppiche. An den Wänden des Saals umher illuminierte Kupfer unter Glas, mich dünkt, die Loggie di Raffaello. In einem andern Zimmer auf der andern Seite, worin gespeist ward, hingen viele getuschte etc. Zeichnungen unter Glas, auch ein gezeichneter alter Kopf von Meyer. Das Dejeuner währte bis nach zwölf.

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