Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 22. Oktober 1786

Den 22 Abends Giredo. Alles kleine Nester auf den Apenninen in denen ich mich rechtglücklich fühle, wenn meine Gesellschafft besonders der englische Theil überall zu Klagen findet. Die Apenninen sind mir ein merckwürdig Stück Welt. Wäre dieGebirgs art nicht zu steil, wären sie nicht zu hoch über der Meeres Fläche, und nicht so sonderbar verschlungen daß Ebbe und Fluth vor Alten Zeiten mehr und länger hätten hereinwürcken, auch größere Flächen überspülen können; sowäre es eins der schönsten Länder. In dem schönen Clima, etwashöher als das andre Land pp. So aber ists ein seltsam Gewebe von Bergrücken gegen einander,wo man oft gar nicht absieht, wohin das Wasser seinen Ablauf hat. Wenn die Thäler besser ausgefüllt, die Flächen mehr glattund überspült wären, würde es Böhmen zu vergleichen seyn nurdaß die Bergrücken auf alle Weise einen andern Charackter haben. Du mußt dir also keine Bergwüste, sonders ein meist bebautes gebirgiges Land vorstellen durch das man reist. Castanien kommenhier sehr schön. Der Waitzen ist trefflich den sie hierbauen, und die Saat steht schon hübsch grün. Eichen mit kleinenBlättern |: ich dencke Stein Eichen :| stehn am Wege, und um dieKirchen, Capellen p schöne Cypressen. Gestern Abend war das Wetter trübe heut ists wieder hell undschön. Mit den Vetturinen ists eine leidige Fahrt, das beste daß manihnen bequem zu Fuße folgen kann. Mein Gesellschaffter ist mir von vielem Nutzen, ob ich gleich lieber, um an der Iphigenie zu arbeiten, allein wäre. Heute frühsaß ich ganz still im Wagen und habe den Plan zu dem großenGedicht der Ankunft des Herrn, oder dem ewigen Juden rechtausgedacht. Wenn mir doch der Himmel nun Raum gäbe nachund nach das alles auszuarbeiten was ich im Sinne habe. Es ist unglaublich was mich diese acht Wochen auf Haupt und Grundbegriffedes Lebens so wohl, als der Kunst geführt haben. Sagt ich dir schon daß ich einen Plan zu einem TrauerspielUlysses auf Phäa gemacht habe? Ein sonderbarer Gedancke, dervielleicht glücken könnte. So muß denn Iphigenie mit nach Rom! Was wird aus dem Kindleinwerden? In Bologna hab ich noch so manches gesehn von dem ichschweige. Einen Johannes und noch eine Heil Familie von Raphael und ein Paar Arbeiten von Guido und den Carrache die trefflich sind. Ich traf eine Engländerinn an, die in eine Art Prophetenrockgehüllt, gar artig einen Guido kopirte. Wie sehr wünscht ich dirdie Freude ein gleiches zu thun. Einige Köpfe von dem Spanier Velasquetz sind Hier. Er ist weit gekommen. Einen guten Gedancken hab ich an einer Statueeiner Andromeda gesehn. Sie steht mit in die Höhe gebundnenHänden fast auf den Fußspitzen und der Künstler um der Figureinen Halt zu geben läßt einen kleinen Amor neben ihr kniender sie mit der linken Hand um den Fuß faßt und mit der rechten einen Pfeil auf das Ungeheuer |: das natürlich nur gegenwärtigsupponirt ist :| werfen will. Der Gedancke hat mirwohl gefallen, er ist einfach und gratios und im Grund nur einmechanisches hülfsmittel die Statue stehen zu machen. GuteNacht. Es ist kalt und ich bin müde. Gute Nacht! Wann werd ich dir dies Wort wieder mündlich zurufen!

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

Weitere Quellen

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Fand statt in (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wird angeführt von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Zeitspanne (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen