Normalzeugnis Zeugnis

J. Voigt nach Akten des STA Weimar (J. Voigt S. 211)

Zum Gewerkentage hatten sich sieben Abgeordnete, darunter drei Bergsachverständige, eingefunden. Sie erhielten von Goethe und Voigt ... jeden wünschenswerten Aufschluß und nahmen Gelegenheit, sich durch Besichtigung der Taggebäude, sowie durch Befahrung des Johannesschachtes und Tiefen Stollens über alle Verhältnisse eingehend zu unterrichten. Die Verhandlungen selbst wurden von Goethe mit einem längeren Vortrage eingeleitet ... Nachdem hierauf die Vollmachten der Abgeordneten geprüft worden waren, setzte die Kommission in verschiedenen Sitzungen mit den Deputierten die Beratungen fort, wie dem Bergwerk am besten zu helfen sei. Sie legte die eigenen Pläne dar, prüfte die aus der Mitte der Gewerkschaft gemachten Vorschläge, sah Risse, Anschläge und Rechnungen durch, die zum Teil auch an Ort und Stelle verglichen wurden, und da man von beiden Seiten den besten Willen zeigte und den Hauptzweck nie aus den Augen verlor, kam man nach wenigen Tagen zu einmütigem Entschluß, und Goethe konnte in seinem Schlußwort am 11. Juni aus ehrlicher Überzeugung dankend anerkennen, „daß, wie sie die Kommission von ihrer Seite nichts zu unterlassen glaubte, was zur Aufklärung und Beschleunigung des Geschäfts dienen konnte, sämmtliche Herren Abgeordnete auch von der ihrigen auf eine Weise zu Werke schritten, welche das Geschäft erleichtern und beschleunigen mußte.“ Aber auch die Deputierten hielten es für ihre Pflicht, der Kommission für ihre treue Bemühung im Dienst der Gewerkschaft öffentlich zu danken, und gaben durch den Legationsrat Bertuch zu Protokoll, „was maßen sie insgesamt die besondere Vorsorge und Bemühung der fürstlichen Bergwerkskommission bei Dirigirung des hiesigen Bergwerks verehrten und nach ihrem ganzen Werthe anerkennten und daher auch die Empfindung ihrer Dankbarkeit öffentlich erkennen zu geben sich verbunden hielten, und angelegentlich bitten wollten, dem Werk fernerhin diese Gesinnungen und Verwendung zu schenken, und solches einem glücklichen Erfolge näher zu führen.“ Der einmütig gefaßte Beschluß ging dahin, sogleich noch zwei Radstuben ausbrechen und zwei Kunstzeuge erbauen zu lassen. Die hieraus entstehenden Kosten in der Höhe von 7800 Talern, sowie die bereits aufgenommene Anleihe von 5000 Talern sollten dadurch getilgt werden, daß erstens der für den Gewerkentag ausgeschriebene Termin von vier Laubtalern unter Gewährung einer weiteren Frist bis Michaelis eingehoben wurde. Diejenige Kuxe, auf die eine Nachzahlung nicht geleistet wurde, sollten kaduziert, d. h. für verfallen erklärt und nicht wieder verliehen werden. Außerdem aber wurde auf Weihnachten ein abermaliger Termin von einem neuen Louisdor oder vier Laubtalern verwilligt. Den Rest, der von den 12 800 Talern auch dann noch blieb, gedachte die Kommission durch Beibringung älterer Reste, Ersparnisse und den Verkauf weiterer gewerkschaftlicher Grundstücke aufzubringen. Mit den angegebenen Mitteln hoffte man binnen einem Jahr das Flöz ersunken zu haben, bis dahin die fortlaufenden Kosten bestreiten und das Werk schuldenfrei machen zu können. Goethe mußte den einmütigen Beschluß der Gewerkschaft mit um so größerer Genugtuung aufnehmen, als er dadurch instand gesetzt wurde, den um den Ilmenauer Bergbau so wohlverdienten Herzog Carl August, der am 10. Juni selbst in Ilmenau eingetroffen war und den Johannesschacht bis zum zweiten Satze befahren hatte, mit willkommener Botschaft zu begrüßen, und wir werden ihm die freudige Erregung nachfühlen können, mit der er am Ende seiner Schlußrede den Bevollmächtigten den Abschied bot: „... Wir beschließen mit der größten Zufriedenheit, eine wichtige, eine glücklich geendigte Handlung mit wiederholtem Danke gegen alle diejenigen, welche in diesem Geschäfte eifrig mitgewirkt, und dessen Beendigung beschleunigt haben. Wir beschließen sie um so freudiger, als wir unsern gnädigsten Herrn mit einer angenehmen Nachricht entgegengehen konnten, da Er diesen Ort, welchem Er seit dem Antritte Seiner Regierung eine fortgesetzte Aufmerksamkeit schenkte, gestern wieder betrat und durch Seinen Antheil an diesem Geschäfte unsern Eifer aufs neue belebte und belohnte.“ Goethe und Voigt blieben noch bis zum 16. Juni in Ilmenau und trafen persönlich alle Anordnungen, um unverzüglich mit der Arbeit an den beiden neuen Radstuben beginnen zu können.

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