Brief

Von Karl Friedrich Zelter (3. Februar bis 11. März 1823)

1823 Februar 3 Über die Kälte in Berlin, die Z. seit acht Tagen an das Haus gefesselt habe. Übersendung seiner Vertonung des Gedichts "Lied und Gebilde" aus dem "West-östlichen Divan": Das Stück ist für Männerstimmen; die Weiber verpiepen alles. 1823 Februar 7 Auszug aus der Berliner Skandalchronik: W. Stich sei vom Liebhaber (Graf G. Blücher) seiner Frau Auguste niedergestochen worden; erwähnt: K. W. F. Unzelmann. Ferner Iphigenie (J. Eunicke als Darstellerin in C. W. von Glucks "Iphigenie in Aulis", Libretto von J. D. Sander nach M. F. Du Roullet) hat ihre Mutter Clytemnestra (A. Milder) einen Sauschwanz geheißen; Zitat nach Plautus ("Persa" IV, 7). 1823 Februar 11 Über Z.s Beschäftigung mit G.s Notiz zu Diderots "Rameaus Neffen" (in: "Über Kunst und Altertum" IV 1): Es wäre schade, hätte G. vom Original keine Abschrift behalten. Z. schließe sich der Meinung der pariser Freunde (Graf K. F. Reinhard und K. E. Oelsner) an, dass der Zurückübersetzer (H. J. Saur und L. Varanchan de Saint-Geniès) sich besser enger an das Deutsche gehalten hätte. 1823 Februar 14 Frage, ob A. Hirt G. seine Schrift gegen H. Hübsch geschickt habe. Z. habe zwar Hirts "Geschichte der Baukunst bei den Alten" noch nicht gelesen, nun sei ihm der Appetit darnach ganz vergangen. 1823 März 7 Z. habe diesen Brief wiedergefunden (vgl. RA 10, Nr. 85). Ein Park von Fragern bestürme ihn wegen Nachrichten über G.s Gesundheitszustand. Bitte um Nachricht, wenn es G. noch besser gehe. 1823 März 8 Gestern sei G. im Berliner Künstlerverein ein Vivat gebracht worden. Zur Auskunft über G.s Zustand habe er A. von Goethes Brief vom 26. Februar, einen Brief über G.s Krankengeschichte aus Jena vom 28. Februar (von E. Wesselhöft an Z., GSA 95/I,7,28 St. 19) sowie ein gestohlnes bulletin von W. Rehbein, das diesem Brief beigelegen habe, verwendet. - F. A. Wolf, den Z. zu der Versammlung eingeladen habe, sei nicht erschienen. Über dessen Behauptung, mit den Fingern zu lesen. 1823 März 9 Freude über die in einem Brief von A. Schopenhauer vom 5. März enthaltene Nachricht von G.s fortschreitender Genesung. 1823 März 11 Über die Fortschritte von F. Mendelssohn Bartholdy: von seiner vierten Oper ("Der Onkel aus Boston, oder Die beiden Neffen", Libretto von J. L. Casper) sei der 2. Akt fertig. Ein sehr schönes Quartett fürs Fortepiano (Klavierquartett c-Moll) wünsche ich daß es Deiner Großfürstinn (Erbgroßherzogin Maria Pawlowna) zugeeignet würde. Frage an G., wie dies zu bewerkstelligen sei.

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