Brief

Von Katharina Elisabeth Goethe (30. November 1804)

G.s Lieber Brief habe sie doppelt erfreut: wegen des guten Inhalts - Eures allerseitigen Wohlseyns und der geschwinden rückantwort mit Weihnachtswünschen, aber auch wegen G.s Handschrift, die wie ehemals so schön sei. Bitte um ein Exemplar des "Benvenuto Cellini" (Tübingen 1803). - Erinnerung an F. W. Tesche, dessen Manuskript ("Die drei Billetts") bei Iffland unbekannt geblieben sei, wie offenbar auch in Weimar; erbarme dich doch (vgl. RA 4, Nr. 1642). Abwehr des Vorwurfs, ich ersparte den Leuten eine ohrfeige - damit sie ein Loch in Kopf bekämen, den G. ihr im Zusammenhang mit Jung-Stillings "Schleuder eines Hirtenknaben gegen [...] den Verfasser des Sebaldus Nothanker [F. Nicolai]" (Frankfurt am Main 1775) ehemals gemacht habe. Unter anspielung auf eine Textstelle aus G.s "Fastnachtsspiel vom Pater Brey" bekennt sie ihre gelegentliche Gutmüdikeit; sie denke, gantz schlecht ist nicht leicht etwas. - Gratulation zu Vortreflichen Erbprintzeß (Maria Pawlowna) und Bewunderung ihrer Eltern. - Zum Schutz gegen die Diebsfinger (vgl. RA 4, Nr. 1328) habe sie die Weihnachtsgeschenke besonders gut verpackt. Daß die Castanien euch behagen freut mich [...].-Bitte um etwas gutes und schönes zu lesßen. - Am Neujahrs Tag werde Schillers "Tell" aufgeführt; die Leute um und neben mir sollen sich nicht unterstehen die Naßen zu putzen - das mögen sie zu Hauße thun.

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