Brief
Von Wilhelm von Humboldt (25. Juni 1796)
Über den Plan, einen Mathematiklehrer für J. J. Mouniers Weimarer Erziehungsinstitut zu finden. Eventuell notwendig werdende Verhandlungen mit dem jungen Mann aus Genf wolle H. übernehmen. - Über "Alexis und Dora" ("Musenalmanach" für 1797): In dieser Idylle vereinige sich alles, was diese schöne Gattung anziehend und reizend machen kann. Beim Vergleich mit anderen Idyllen habe H. in "Alexis und Dora" zwei Eigenthümlichkeiten sehr stark ausgedrückt gefunden, die ihm für G.s Dichtercharakter bezeichnend seien. Die erste [...] ist der Ernst, den immer auch das Spiel annimmt, sobald es ein schönes Spiel ist. Was G. aber noch ausschließender angehöre, sei die Verbindung dieser gehaltvollen Natur, mit einer so leichten und so zierlichen Form, in welcher [...] das Kunstwerk erscheint. Über das Verhältnis von Inhalt und Form in der Poesie. Ausführliche Beurteilung und Würdigung der formalen Gestaltung von "Alexis und Dora" mit einigen kritischen Anmerkungen zum Versbau im einzelnen. Für den Dichter komme alles auf die Art der Verbindung der Natur mit der Kunst an. - F. H. Jacobi habe seinen Besuch in Berlin angekündigt. H. sei etwas bange, wie ihm übrigens die Berliner behagen werden. - Der Cellini ("Benvenuto Cellini", in: "Horen" 1796-1797) hat uns große Freude gemacht. Fahren Sie ja recht bald fort.
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