Brief
Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (3. bis 7. Dezember 1816)
1816 Dezember 3 Begeisterte Schilderung seiner Leseeindrücke von G.s "Italienischer Reise" (1. Teil); an dieser Schrift spreche B. das unmittelbare Leben an. Ein Vergleich mit "Dichtung und Wahrheit" dränge sich unwillkürlich und recht angenehm auf. Für B. habe G.s Schrift den zusätzlichen Vorteil, daß er in dieser verjüngten Gestalt auch die ganze Persönlichkeit wiedererkenne, mit der er glückliche Stunden und Tage verbracht habe. Dank für die Freundschaft mit G. und die Freude, Belehrung und Bildung, die er ihm verdanke. - Mit der nächsten Post gehe ein Umriß von einem großen in Nürnberg gekauften Bilde von Albrecht Dürer ("Kreuzabnahme Christi") an G. ab. Weiter sende er eine durchgezeichnete Teilansicht eines Gemäldes von H. Memling in der Gemäldesammlung (? "Die sieben Freuden der Maria") und eine Landschaft von Roux, die B. in dessen Tagebuch entdeckt habe. J. Roux lasse sich empfehlen; er habe viel Lob für seine Landschaften und die Kinder in Pastellfarben bekommen. - Bemerkungen zur unbefriedigenden Qualität der Umrißzeichnungen; erwähnt: K. F. Zelter und Mabuse. Ein Umriß nach Memling, den J. Schlesinger gemacht habe, sei dagegen besser gelungen. - Durch zuverlässige und erprobte Kunsthändler erhalte B. Angebote für ein Gemälde B. van Orleys, der aus der Schule Raffaels stamme, eines von A. Altdorfer, zwei von Mabuse oder J. Scorel sowie zwei von L. van Leyden. Wichtiger zur Vervollständigung der Sammlung wäre aber der Ankauf von fünf Tafeln von M. Coxcie mit Kopien nach dem Genter Altar von J. und H. van Eyck, die dieser für Philipp von Spanien angefertigt habe. Coxcie selbst zähle noch zu den alten Meistern, da er mit van Leyden, Scorel und Holbein etwa im gleichen Jahr geboren sei. Die Kopien, darunter die "Anbetung des Lammes", seien nach Auskunft von Künstlern und B.s Kunsthändler (? D. Artaria) so gelungen, daß man sie für einen van Eyck halten könne. Beschreibung der Tafeln; erwähnt: die abgebildeten Künstler (J. und H. van Eyck) sowie Philipp der Gute von Burgund. Das Werk sei unschätzbar als Zeugnis für das frühe Werk van Eycks. B. wolle die genannten Bilder unbedingt erwerben, auch wenn sie bey den hohen Preisen, die jetzt schon in diesen Dingen herrschen, ein Kapital kosten und das schwebende Verhältnis (Verhandlungen zur Übernahme der Sammlung durch Preußen) nicht zustande kommen sollte. Falls die Verhandlungen mit Preußen, bei denen aus den anfänglichen Quängeleyen große Schwierigkeiten entstanden seien, sich zerschlagen sollten, fänden sich anderwärts hübschere Leut und besser Wetter, wenn auch mit etwas weniger Geld. 1816 Dezember 7 Nach der Rückkehr aus Mannheim erfahre B., daß die J. F. Städel'sche Kunststiftung gegründet werde und diese frühere vorläufige Anträge zur Übernahme von B.s Gemäldesammlung erneuere. B. habe bei den erwähnten Aussichten (für die Gemäldesammlung) an den Kronprinzen Ludwig von Bayern und den Wiener Hof gedacht. Bitte, diese Mitteilungen vertraulich zu behandeln.
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