Brief

Von Friedrich Schiller (15. Mai 1795)

S. bedaure G.s Erkrankung sowie den Verlust der 2. der "Römischen Elegien" für die Veröffentlichung im 6. Stück der "Horen". Mit seinem Aufsatz ("Über die ästhetische Erziehung des Menschen" oder "Merkwürdige Belagerung von Antwerben in den Jahren 1584 und 1585") hoffe er noch fertig zu werden. Weitere Beiträge, auch zum 7. Stück der "Horen", seien noch nicht eingegangen. - J. F. Cotta bitte sehr um größere Mannigfaltigkeit der Aufsätze. Es gebe Klagen über zu abstrakte Materien und Unsicherheit in der Beurteilung der "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten". Er sei mit W. von Humboldt darin einig, daß man gegenwärtig in Deutschland mit keiner Zeitschrift ein allgemeines Glück machen könne. Die Zeit sei für schlechte Autoren günstig, da das Publikum nicht mehr die Einheit des Kinder-Geschmacks, und noch weniger die Einheit einer vollendeten Bildung besitze. S. sei auf das öffentliche Urteil über "Wilhelm Meisters Lehrjahre" neugierig, abgesehen vom durchaus geteilten Publikum. - Von hiesigen Novitäten weiß ich Ihnen nichts zu melden, denn mit Freund Fichte ist die reichste Quelle von Absurditäten versiegt. Kritische Bemerkung über K. L. Woltmanns "Plan für historische Vorlesungen" (Jena und Leipzig 1795). - Außer G.s Beiträgen zum "Musenalmanach" erwarte S. auch Arbeiten Herders. J. F. Reichardt habe sich durch G. Hufeland als Mitarbeiter für die "Horen" angeboten. - Frage, ob G. die "Luise" (Ruppert 1183) von J. H. Voß schon gelesen habe. K. L. Fernows Aufsatz ("Über den Stil in den bildenden Künsten") wolle er sich geben lassen.

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