Normalzeugnis Zeugnis
Caroline Herder an Herder 29. 8. 1788 (Düntzer6 S. 45)
Den 25. wurde dem guten Adelbert zum Geburtstag das Tischchen gedeckt ... Um 11 Uhr kam Knebel und bald darauf Goethe; zugleich kam auch das Paketchen Bücher aus Nürnberg, und das Jubeln der Kinder war sehr groß ... Ich las aus dem Brief Goethe und Knebeln vor, und sie hatten beide gleiche Freude mit mir; nicht genug können sie die gute Art und das rein gewaschene Auge loben, mit dem Du alles siehest und so vielfach siehest. Goethe interessirt das um so mehr, da er, wie er sagte, nur eine Sache sähe. Nun wurde der Pack aufgemacht. Goethe bekam seinen Brief oder vielmehr Gedichte. Emil maßte sich den Pack Pfefferkuchen an, und theilte so kindlich großmüthig aus, daß bald keine mehr übrig geblieben wären; die Deute Zuckersachen wurde auf einen Teller gethan. Goethe und Knebel aßen von allem mit, und ich kostete im frommen Andenken an Dich einige süße rothe Täfelchen, ein wahres besseres Abendmahl als von Gottschalk. Goethe war sehr gut. Ich lobte ihn, daß er zu dieser guten Stunde gekommen, da er die ganze Woche nicht da gewesen sei. Ja, sagte er, ich war schon auf dem Weg nach meinem Garten und mußte umwenden; es trieb mich her, nicht die Liebe, sondern vielleicht die Verzweiflung; ich ging so eben vom Herzog weg. Nun war von seinem Geburtstag die Rede; ich erinnerte ihn an unsern Gott, den er voriges Jahr erhalten hatte. Da bekam ich, sagte er lächelnd, den Gott, um dies Jahr an keinen zu glauben. Es müssen unangenehme Dinge durch sein Gemüth gehen.
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