Brief

Von Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (24. Oktober 1818)

Als erste Amtshandlung in seiner Funktion als Präsident übersende N. das Ehrendiplom der Akademie der Naturforscher (Leopoldina) und hoffe auf G.s Rat bei deren Wiederbelebung. N. sei sicher, daß G. über das Werk A. E. Büchners "Academiae Sacri Romani Imperii Leopoldino-Carolinae Naturae Curiosorum Historia" verfügen könne, im anderen Fall hätte N. einen Bericht von dieser ältesten deutschen Anstalt für vereinte wißenschaftliche Thätigkeit gegeben, wie er es kürzlich gegenüber Kaiser Franz I. von Österreich getan habe, dessen Ahnen (Kaiser Karl VII. und Leopold I.) die Akademie mit schönen Privilegien versehen haben. - Schilderung der Anfangsschwierigkeiten der wiederbelebten Akademie: N.s Freund, J. S. C. Schweigger, habe geglaubt, die Puncte seiner Akademie als Grundgeseze der alten zu proklamiren (vgl. Schweigger "Vorschläge zum besten der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher", in: "Journal für Chemie und Physik" 1818, Bd. 23). Weiter über Unstimmigkeiten mit der Universität Erlangen und der bayerischen Regierung über N.s Übersiedlung nach Bonn und den damit entsprechend den Statuten verbundenen Umzug der Akademie. - Über N.s thätigen, aber unruhevollen Sommer in Erlangen und den dortigen botanischen Garten; erwähnt: N.s Amtsvorgänger J. C. D. von Schreber. Seine Vorlesungen habe N., obwohl nach K. Sprengel ("Anleitung zur Kenntnis der Gewächse", vgl. Ruppert 5141) angekündigt, bald nach einem eignen Plan fortgesezt, und so den Entwurf eines Lehrbuchs der Botanik, ganz nach der Idee der Methamorphose gewonnen, womit er sein Vorhaben, den botanischen Teil zu G. H. Schuberts "Handbuch der Naturgeschichte" (vgl. Ruppert 4917 und Ruppert 5087) zu verfassen, vorbereitet habe. Des weiteren zu N.s Forschungen über ein System der möglichen Pflanzenstoffe, die er mit Hilfe von G. Bischof und H. A. Rothe verfolge; Ankündigung der gemeinsamen Veröffentlichung bei E. Enke in Erlangen ("Die Entwicklung der Pflanzensubstanz", Ruppert 4912; vgl. RA 8, Nr. 947). - Die Forschungen über Trüffeln mußten ruhen; N. hoffe, diesen Winter in Bonn das Manuscript seiner Monographie fertigzustellen. Seine Vorlesungen über den thierischen Magnetismus führten ihn zur Überzeugung über die Identität des Traums mit dem tierischen Magnetismus (vgl. N. "Entwicklungsgeschichte des magnetischen Schlafs und Traums", Ruppert 4913). - In seinem neuen Wirkungskreis begleite ihn das Vertrauen auf G.s Wohlwollen; Bezugnahme auf die von G. gesandten "Urworte. Orphisch" (vgl. in: "Zur Morphologie" I 2 und "Über Kunst und Altertum" II 3). - Hinweis auf N.s Rezension des 1. Heftes "Zur Naturwissenschaft überhaupt" in der "Isis" (1818, Heft 6).

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