Normalzeugnis Zeugnis
Böttiger an J. v. Müller 16. 7. 1797 (Maurer-Constant 1, 269)
Göthe hat den Plan aufgegeben, jetzt über die Alpen zu gehen. Er wird nun seinen krank aus Florenz zurückgekehrten Freund, Maler Meyer, in seinem Vaterort Stäfa am Zürichersee besuchen, und ihn zum Herbst wieder mit hieher bringen. Uebrigens dichtet er jetzt mit Schiller um die Wette Balladen, und so werden wir im neuen Schiller’schen Musenalmanach diese Dichtart in ganz neuem Glanze erscheinen sehen. Die beiden Dichter haben sich eine eigene Theorie davon gebildet, nach welcher sie alle Wundergeschichten aller Zeitalter hineinziehen, und sich dabei in die Elemente getheilt. Göthe dichtet drei Balladen, wo die Auflösung des historischen Knotens durch Feuer erfolgt; (darunter ist eine Erscheinung des Vischnuh aus der Tradition der Braminen) und Schiller nimmt das Wasser. Bis jetzt ist der Ring des Polykrates und die Geschichte des Cola Pesce fertig. Zum Schlusse wollen sie beide noch die Geschichte mit den Kranichen des Ibykus ohne vorherige Rücksprache um die Wette bearbeiten, und das Publikum zum Schiedsrichter machen.
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