Normalzeugnis Zeugnis

Böttiger, Beschreibung des Maskenzugs zum 30. 1. 1798 (WA I 16, 454)

Goethe ordnete und decorirte zum. Geburtstag unserer regierenden Herzogin Luise folgende allegorische Maskenprocession. Die Friedensgöttin (eine schöne Fräulein von Wolfskeel) mit Flügeln und einem Diadem auf dem Haupte hat zwei Genien (Mädchen von 6 Jahren) vor sich her, wovon der eine einen vergoldeten Helm mit Früchten, der andere ein in seiner Scheide verschlossenes Schwert trägt. Hinter ihr kommen mit einer malerisch gehaltenen Rosenkette zusammen verschlungen die Eintracht und Hoffnung. Ihnen treten zwei grössere Genien (Fräulein von Reizenstein 12 und 13 Jahre) voran, deren der eine den Anker, der andere eine Säule trägt. Nun kommt der Überfluss (eine fast kolossale Frau, die Oberkammerherrin von Werther) mit dem Füllhorn u.s.w. Hinter ihr kommen noch die Kunst (mit einem Portefeuille, worin dies Gedicht Der lang ersehnte Friede nahet wieder war, und einer rosenbekränzten Lyra) und der Ackerbau (im Erndtekranz und mit der Sichel). Alle treten nun schön gruppirt in eine Reihe vor die Herzogin. Der Friede legt seinen Palmenzweig ihr zu Füssen, die Kunst bringt ihm das Portefeuille, und indem der Friede das darin liegende Gedicht der Herzogin übergibt, verneigt sich die ganze Procession.

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