Brief

Von Johann Heinrich Meyer (11. Mai 1794)

Am 10. Mai habe M. die umfangreiche Dresdner Antikensammlung besucht und darin Stücke gesehen, die seine Bewunderung hervorgerufen haben. M. nennt und beurteilt eine Reihe von Statuen, unter anderem die Nachbildungder Mediceinischen Venus, zwei Gruppen von Faunen und Hermaphroditen, einen Venustorso und -kopf sowie den Kopf der Venus Urania. Die Krone der Sammlung stelle eine Minerva dar. Des weiteren über zwei Faune, welche mit dem Schönen Jungen Faun in der Vill. Ludov. ahnlichkeit haben, eine kleine Bachantin wovon Klauer Einen Abguß hat, über Herkulesbüsten und -figuren sowie einen Kopf der Kleopatra. - Es sei schwierig, die Geschichte oder den Gang der Harmonie in der Neuern Kunst zu beobachten. Das werde an den hiesigen Bildern der Venezianer sichtbar: Über die Anwendung von Licht und Roth bei Correggio und Rubens. M. versuche, das große & vielfache Gewebe der Kunst fortzuwircken. - Empfehlung des Gemäldes "Ganymed" von F. Parmigianino und "Findung des Moses" von N. Poussin zur Ausgestaltung des Römischen Hauses in Weimar. Weiterhin hätten Poussins "Pan und Syrinx", Raffaels "Caecilia" und "Madonna della Seggiola" sowie P. Veroneses "Kreuztragung" und "Madonna in trono" M.s Aufmerksamkeit geweckt. - J. F. Wacker erlaube zwar die Statuen zu zeichnen, aber nicht zu messen, wodurch die Absicht der Reise zunichte werde.

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