Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (27. bis 29. Oktober 1815)

1815 Oktober 27 Da G. etwas ausführliches über Mannheim hören wolle, könne B. ihm von betrübten Frauen und Kindern erzählen, die um einen Entflohenen trauern (? K. von Heygendorff und deren Schwester M. von Danckelmann und deren jeweilige Kinder nach der Abreise des Großherzogs von Sachsen-Weimar aus Mannheim); Anspielung auf G.s "Egmont". Über das Töchterchen (? K. von Heygendorff d. J.) und ihre Übungen in allen Stellungen der Jungfrau Maria sage B. nichts. - Erinnerung an das bei D. Artaria gesehene Prachtwerk von allen TannenArten (A. B. Lambert "A Description of the Genus Pinus"); überhaupt werde Artaria mit seinen indianisch-gothischen VogelNestern aus Henry Sevenths Chapel den Mannheimer Kohl am meisten fett machen müssen. - Abschätzige Bemerkungen über die Mannheimer Gemäldegalerie, die aus zwei Sammlungen bestehe, welche der seel. Großherzog Karl Friedrich von Baden von Graf Lucchesi und A. von Klein gekauft habe; erwähnt: "Leben und Bildnisse der großen Deutschen", hrsg. von Klein. Das einzige, wahrhaft bedeutende für die Kunst in Mannheim bleibt immer die Sammlung der Pariser Abgüße, die aber in Heidelberg wirksamer wäre. Bitte an G., diese Eulenspiegeleyen der Deutschen aufzudecken. - B. lege die Bemerkungen über Darmstadt und Karlsruhe bei. - K. C. Gmelin werde G. über die Bereithung des Rosenoels und der spanischen Schmincke selbst Auskunft geben. Vorsichtshalber teile B. aber bereits die Titel mit: R. Desfontaines "Flora Atlantica" und Guerres flora Hispanica (? J. Quer y Martínez "Flora española"); letzterer sei ein anti-Linéaner. Es wäre gut, wenn G. die russischen Heiligenbilder aus der PriesterFabrik in Sousdal schon in Händen hielte. Einstweilen genügte aber auch der bekannte moscovitische Bilderkalender (G. Henschen, D. Papebroch "Ephemerides Graecorum et Moscorum"), den G. im 1. (Mai)-Band der "Acta Sanctorum" (hrsg. von J. Bolland) finde. - Bitte, G. möge in seinem Kapitel über Heidelberg (in "Kunst und Altertum am Rhein und Main") C. Koester als Gegenstück zu M. H. Fuchs erwähnen. Koester sei als Restaurator eigentlich mehr Künstler - Fuchs hingegen mehr Decorateur. Anlaß zur Beschäftigung könne das Vorhaben sein, eine Auswahl der Gemälde aus B.s Sammlung in Kupfer stechen zu lassen; erwähnt: F. Epp, J. van Eyck, Dürer, Raffael, Leonardo da Vinci und F. Francia. Die Stiche sollten in der Art gefertigt werden wie die Blätter, die F. Ruscheweyh zum "Faust" von P. Cornelius steche. Erinnerung an G.s Versprechen, ein Gedicht für diese Publikation zu verfassen; erwähnt: J. F. Wenner. - Bitte, ausführlich über B.s Gemäldesammlung zu berichten, da G. ohnehin über die Vaticanischen Handschriften ausführlich berichten müsse. - Über die Rezension A. W. Schlegels in den Heid Jbb (1815, Nr. 46/47), der die "Altdeutschen Wälder" von J. und W. Grimm ausführlich vorstelle. Schlegel berichte auch von den Bemühungen der Österreicher um die Verbreitung der deutschen Sprache und Litteratur in Italien. Schlegel habe aus Mailand an F. Wilken über die Gründung einer Literaturzeitung berichtet, zu der die Regierung die Kosten vorschieße. 1815 Oktober 29 B. sei durch die Ankunft von J. C. Ehrmann beim Schreiben unterbrochen worden. - Über die Feiern des 18. Oktober (Jahrestag der Völkerschlacht) in Frankfurt; erwähnt: Prinzessin Katharina Pawlowna von Oldenburg und Kronprinz Friedrich von Württemberg. Weitere Berichte über Feiern in Karlsruhe, Kassel und Darmstadt; erwähnt: der regierende Großherzog Karl von Baden. - Freude B.s darüber, daß sein Dombild in Weimar so viel Beifall gefunden habe. Erinnerung an den Besuch von Großherzog Karl August mit K. vom Stein in Köln, wo K. F. Reinhard sie um eine Stunde verfehlt habe. Reinhard sei von Ludwig XVIII. am Ludwigstag zum Grafen und ordentlichen Staatsrath ernannt, als womit eine Pension verbunden ist. Anspielung auf G.s Namenstag; erwähnt: der heilige Wolfgang, der ein Bischof, aber gewiß keiner, wie der Karlsruher war.

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