Brief
Von August Prinz von Sachsen-Gotha und Altenburg (3. November 1796)
S. dankt begeistert für die von G. übersandte Probe seiner Übersetzung des Märchens "Princesse perruche". Er begreife, warum G. eine Stelle schicke, woran er so viel angeknüpft und von welcher er auch etwas weggelassen habe. Betrachtungen über die richtige Behandlung deutscher Leser, die weder zu klug noch zu einfältig zu machen seien. Ob man ihm aber Waffen der Rache hätte in die Hände geben sollen? G. habe für die Übersetzung volle Freiheit; allein S. wüßte gerne Näheres über sein Vorgehen dabei. - Von seinem Märchen ausgehend, stellt S. Betrachtungen über einzelne Erziehung, und über die wohlgemeinten Träume der Völkererzieher an und setzt sie in einer Nachschrift in Beziehung zu einer wörtlich zitierten Stelle aus dem 4. Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahren". S. meint: Freund, tadellos wird niemand gebohren; am wenigsten, durch die Kunst und die Verstellung, tadellos gebildet. Umstände vollenden das Werk der Natur [...]. ln seinem Märchen habe S. da zu schweigen für gut befunden, wo es eben erst hätte anfangen sollen. G. möge einen zweyten Theil dazu verfertigen. Anspielung auf Robespierre, der der Triumph aristokratischen Scharfsinnes gewesen sei. Zu diesen Aristokraten kann ein Göthe weder gehört haben, noch gegenwärtig gehören [...]. Im Diesseits sei nur auf edle Mittelmäßigkeit zu hoffen; im Jenseits wird es etwas ganz anderes seyn: man lese nur die Offenbarung Johannis, zumahl in Lavaters Hexametrischer Hexenübersetzung (Lavater "Jesus Messias, oder die Zukunft des Herrn. Nach der Offenbarung Johannes").
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