Brief

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser (14. Dezember 1810)

Wohlgeborner, Insonders hochgeehrtester Herr StadtgerichtsRath, Ew. Wohlgebornen gefälliges Schreiben mit inliegendem Wechsel auf 400 Gulden nach Leipzig habe ich richtig em pfangen, über welche Summe ich also hiermit dankbar quit tiren will. Zwey Weinrechnungen der Herren Peter Friedrich D’orville & Comp. lege hier bey, mit Bitte solche seiner Zeit zu bezah len. Vielleicht hätten Sie die Güte den Herrn D’orvilles Nach richt zu geben, daß der Wein glücklich bey mir angekommen, und daß Ew. Wohlgebornen Zahlung leisten würden. Da ich übrigens auch hier am Orte eine Assignation auf Frankfurt gar wohl ausstellen kann, indem mehrere unserer Kaufleute dorthin Verhältnisse haben; so ersuche für die Zukunft mir den Cassebetrag gefällig anzuzeigen, auf den ich sodann zu assigniren mir die Freyheit nehmen werde. Herr von Kügelgen zu Dresden, der bey meinem letzten Aufenthalt daselbst das Ihnen, mein Werthester, bestimmte Bild zu mahlen angefangen, u was den Kopf betrifft, auch nach der Natur vollendet, läßt mich länger als ich geglaubt, warten; doch verspricht er es gegen Weihnachten zu senden. Sollte es bey Ihnen nicht zum heiligen Christ anlangen, so hoffe ich doch, daß es die heiligen Drey Könige bringen werden. Die zurückgebliebenen Papiere nebst dem angekündigten Mscpte erwarte mit Verlangen, so wie ich auch wohl wünschte das Werk des Bernhardinus Telesius, auf eine mir zu bestimmende kurze Zeit, zu erhalten. Könnten Sie gedachtes Buch von der Stadtbibliothek leihen u es mir durch den Postwagen schicken; so geschähe mir eine besondre Gefälligkeit, denn ich habe es längst zu sehen gewünscht. Danken Sie dem Freunde für die bezeigte Aufmerksamkeit. Die Meinigen empfehlen sich zum allerschönsten. Wir halten uns diesen Winter ganz gut. Der Assessor ist wieder nach Jena gezogen, um daselbst den Studien weiter obzuliegen. Er findet viel Inter esse an seiner neuen Bestimmung, u gewiß ist das Cammeral fach lustiger als manches andre. Daß er sich in Heidelberg ausschließlich der Jurisprudenz gewidmet, wird ihm dabey sehr zu statten kommen. Erhalten Sie ihm u uns allen Ihre Freundschaft Mit aufrichtigem Dank für Ihre mannigfaltigen Bemühungen habe ich die Ehre mich zu unterzeichnen. Ew Wohlgeb Weimar den 14 December 1810 gehorsamten Dr Goethe

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