Normalzeugnis Zeugnis

Tag- und Jahres-Hefte 1798 (WA I 35, 80)

In welcher Ordnung und Abtheilung die Geschichte der Farbenlehre vorgetragen werden sollte, ward epochenweise durchgedacht und die einzelnen Schriftsteller studirt, auch die Lehre selbst genau erwogen und mit Schillern durchgesprochen. Er war es der den Zweifel lös’te, der mich lange Zeit aufhielt: worauf denn eigentlich das wunderliche Schwanken beruhe, daß gewisse Menschen die Farben verwechseln, wobei man auf die Vermuthung kam, daß sie einige Farben sehen, andere nicht sehen, da er denn zuletzt entschied, daß ihnen die Erkenntniß des Blauen fehle. Ein junger Gildemeister, der eben in Jena studirte, war in solchem Falle, und bot sich freundlich zu allem Hin- und Wiederversuchen, woraus sich denn zuletzt für uns jenes Resultat ergab. Ferner um das Mentale sichtlich darzustellen, verfertigten wir zusammen mancherlei symbolische Schemata. So zeichneten wir eine Temperamentenrose, wie man eine Windrose hat, und entwarfen eine tabellarische Darstellung, was der Dilettantismus jeder Kunst Nützliches und Schädliches bringe.

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